IG-Bau-Schätzung: 300.000 illegal Beschäftigte
Bau setzt auf Jobcards gegen Schwarzarbeit

Als Pilotbranche in Deutschland führt die Bauwirtschaft Jobcards ein, mit denen Schwarzarbeit besser bekämpft werden soll. Schätzungen zufolge sind am deutschen Bau 300.000 Menschen illegal beschäftigt.

HB BERLIN. Die Bauindustrie will mit der Einführung so genannter Jobcards Schwarzarbeit und Lohndumping am Bau bekämpfen. Alle Bauarbeiter sollten verpflichtet werden, eine solche Karte mit ihren persönlichen Daten bei sich zu tragen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Bauindustrie, Michael Knipper, der «Neuen Osnabrücker Zeitung», wie das Blatt am Samstag berichtete.

Bei Kontrollen könne dann noch auf der Baustelle geklärt werden, ob die Arbeitnehmer korrekt beschäftigt sind oder ob Verstöße etwa gegen die Zahlung von Mindestlöhnen vorliegen. Die Jobcards sollen bis 2006 eingeführt werden – damit ist die Bauindustrie der erste Wirtschaftszweig in Deutschland.

Die Karte ermögliche den Zugang zu zentral gespeicherten persönlichen Daten, erläuterte Knipper. Mit Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sei vereinbart worden, dass die Bauwirtschaft als Pilotbranche das Jobcard-Projekt startet. Die Gewerkschaften hätten Unterstützung signalisiert, heißt es in dem Bericht weiter.

Knipper verwies auf das enorme Lohngefälle in Europa, das zunehmend Anreize zu illegaler Beschäftigung und zur Einstellung ausländischer Billigkräfte unterhalb der Mindestlöhne biete. Die IG Bau schätzt die Zahl der illegalen Arbeitsverhältnisse im Bauhauptgewerbe auf rund 300.000. Dadurch entstünden den Sozialversicherungen Einnahmeausfälle in Höhe von einer Milliarde Euro pro Jahr, dem Bund gehen demnach jährlich Steuern von 480 Millionen Euro durch die Lappen.

Knipper verteidigte zugleich die Notwendigkeit der geltenden Mindestlöhnen in der Baubranche. Ohne sie drohe die Gefahr, dass die deutschen Bauunternehmen fast alle gewerblichen Mitarbeiter entlassen und durch billige Arbeitskräfte aus Osteuropa ersetzen, sagte der Verbands-Geschäftsführer. Er verwies auf die guten Erfahrungen mit gesetzlichen Mindestlöhnen in 18 der 25 EU-Mitgliedstaaten.

Gleichwohl plädierte Knipper für differenzierte Lösungen hierzulande: Ein gesetzlicher Mindestlohn könne in bestimmten Bereichen absolut sinnvoll sein, aber sicher nicht die Probleme in allen Branchen lösen.

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