IG Metall droht Thyssenkrupp „Notfalls fahren wir das Ding gegen die Wand“

Der Ton in den Verhandlungen um die Fusion der Stahlkonzerne Thyssenkrupp und Tata wird rauer: Die IG-Metall will sich nicht unter Druck setzen lassen – und droht damit, den Deal platzen zu lassen.
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Die IG Metall sieht die Stahlfusion von Thyssenkrupp und Tata kritisch. Quelle: Reuters
Protest der Arbeitnehmervertreter

Die IG Metall sieht die Stahlfusion von Thyssenkrupp und Tata kritisch.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfIm Streit um die Stahlfusion von Thyssenkrupp mit Tata Steel erhöhen die Arbeitnehmervertreter den Druck auf Vorstandschef Heinrich Hiesinger. Die Gespräche mit dem Management hätten überhaupt keine Klarheit gebracht, kritisierte der Vize-Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzel. „Mein Eindruck ist, dass das so nichts wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könnten wir einem Joint Venture nicht zustimmen.“ Der Vorstand müsse sich stark bewegen, um die Forderungen der IG Metall zu erfüllen.

Seit anderthalb Jahren streiten die Arbeitnehmervertreter mit dem Vorstand über die Pläne Hiesingers. Dieser will Steel Europe mit der europäischen Stahlsparte des indischen Konkurrenten zusammenlegen. Thyssen und Tata wären zusammen der zweitgrößte Stahlkonzern Europas hinter ArcelorMittal. Der Betriebsrat befürchtet den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze.

Am Donnerstag wollen im rheinland-pfälzischen Andernach Tausende Stahlkocher gegen die Pläne demonstrieren – Thyssenkrupp betreibt dort ein Weißblechwerk. Auf der Kundgebung soll auch SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles sprechen. Parallel legt Hiesinger in Essen die Bilanz für 2016/17 vor.

Thyssenkrupp wollte die Kritik nicht näher kommentieren. Ein Sprecher verwies auf die anstehende Bilanz-Pressekonferenz und Aussagen von Personalchef Oliver Burkhard. Dieser hatte den Forderungskatalog als weiteren wichtigen Schritt und Basis für Verhandlungen in der Arbeitsgruppe bezeichnet. Bei deren letzten Treffen sei bereits begonnen worden, sich darüber auszutauschen, hatte der Konzern erklärt.

„Wir erwarten einen weiten Zeithorizont der Sicherheit für die Beschäftigten“, machte Wetzel deutlich. Die IG Metall fordert unter anderem Garantien für die Beschäftigten und die Standorte sowie Investitionszusagen und eine ausreichende finanzielle Ausstattung des Gemeinschaftsunternehmens. Bei einem Nein der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat müsste das Management die Pläne in einer Kampfabstimmung durchsetzen. Hiesinger hofft auf eine Einigung Anfang 2018.

So kämpfen die Stahlkocher gegen Tata
Stahlkocher gegen Tata-Fusion
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Die Fusionspläne von Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger haben am Freitag bis zu 7000 Stahlkocher des Konzerns in Bochum auf die Straße getrieben. Das Bochumer Werk von Thyssen-Krupp gilt als eines, das durch die geplante Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata Steel gefährdet sein könnte.

Totenglocke für den Stahl?
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Ein Stahlkocher von Thyssen-Krupp in Arbeitskleidung läutet während der Demo gegen die Tata-Fusion eine Stahlglocke. Konzernchef Heinrich Hiesinger sprach von bis zu 4000 Jobs, die durch die Gründung des neuen Gemeinschaftsunternehmens wegfallen – je 2000 bei Thyssen-Krupp und bei Tata. Der Betriebsrat befürchtet, dass deutlich mehr Jobs in Deutschland abgebaut werden könnten.

Reizfigur Hiesinger
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Der Zorn der Metaller richtet sich vor allem gegen Konzernchef Heinrich Hiesinger: Er treibt seit Jahren die Abspaltung des Stahlgeschäftes voran – und kämpft seither gegen den Widerstand der Arbeitnehmer.

Kreative Proteste-Plakate
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Die Metaller zogen vom Bochumer Werkstor in die Innenstadt. Auf ihren Plakaten warfen sie dem Thyssen-Krupp-Chef unter anderem mangelnden Durchblick vor.

Beitz-Erbe
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Andere Metaller sehen das Erbe des 2013 verstorbenen Krupp-Patriarchen Berthold Beitz in Gefahr.

Flaggen und Bengalos
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Mit Bengalos und Metaller-Fahnen zogen die Thyssen-Krupp-Stahlkocher durch die Bochumer Innenstadt.

Rücksichtslosigkeit
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Aber nicht nur die Thyssen-Krupp-Angestellten verschafften sich auf der Demonstration Gehör. So wirft auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds, Reiner Hoffmann, der Unternehmensleitung vor, keine Rücksicht auf die Interessen der Arbeitnehmer zu nehmen. Zudem würden Alternativen nicht geprüft. Der DGB-Chef ruft weiter die Landesregierung in NRW in die Pflicht, sich für den Erhalt des Firmensitzes einzusetzen.

„Wir lassen uns zeitlich nicht unter Druck setzen. Wir verhandeln solange, wie es notwendig ist“, sagte der IG-Metall-Sekretär Markus Grolms, der Vizechef des Konzerns-Aufsichtsrats ist. Eine Einigung im Januar sei unwahrscheinlich. „Wir sind notfalls bereit, das Ding auch vor die Wand zu fahren. Der Vorstand muss dass endlich begreifen, aber der Vorstand hat es auch in der Hand, das zu verhindern.“

Sorge bereitet den Arbeitnehmervertretern zudem eine Regelung in der Grundsatzvereinbarung mit Tata. Danach könne die indische Tata-Mutter bis zu 2,5 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr in das Joint Venture oder in den europäischen Markt liefern. „Das ist sehr ungewöhnlich und beunruhigt uns enorm. Diese Lieferungen dürfen nicht bei uns zu einem Kapazitätsabbau oder einer Stilllegung von Anlagen führen“, betonte Wetzel.

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