Industrie
IG Metall fürchtet um Jobs bei Siemens

Die Gewerkschaft sieht über 10 000 Arbeitsplätze in Deutschland gefährdet, der Abzug soll angeblich in den kommenden zwölf Monaten erfolgen – der Konzern wiegelt ab.

MÜNCHEN. Die IG Metall stellt sich auf eine harte Auseinandersetzung mit Siemens ein. Nach Einschätzung der Gewerkschaft sind in Deutschland mehr als 10 000 Siemens-Arbeitsplätze von der Verlagerung nach Mittel- und Osteuropa sowie nach Asien bedroht. Der Abzug soll angeblich in den kommenden zwölf Monaten erfolgen. „Erstmals sind in großem Umfang qualifizierte Tätigkeiten in der Entwicklung und in der Konzernverwaltung betroffen, die bisher als relativ sicher galten“, teilte die IG Metall gestern in München mit. Zusätzlich seien inzwischen auch andere Hochlohnstandorte wie die USA oder Österreich betroffen.

Die Pläne sollen am kommenden Donnerstag zwischen Siemens-Management und den Arbeitnehmervertretern – Gewerkschaft und Gesamtbetriebsrat – diskutiert werden. Ein Konzernsprecher war bemüht, die Wogen zu glätten. „Wir wollen eine vernünftige Lösung finden, um möglichst viele Arbeitsplätze in Deutschland zu halten“, sagte er. Die Zahl von über 10 000 betroffenen Jobs wollte er nicht bestätigen. Es gebe auch noch keine konkreten Beschlüsse.

Nach Angaben von IG-Metall- Vertreter Wolfgang Müller, der auch im Siemens-Aufsichtsrat sitzt, will der Konzern die Gehälter in Deutschland um bis zu 30 % drücken. Zum einen soll die Arbeitszeit von 35 auf 40 Wochenstunden verlängert werden. Gleichzeitig soll das Weihnachts- und Urlaubsgeld ganz oder teilweise gestrichen werden. Auch der Samstag als zuschlagsfreier Arbeitstag soll wieder eingeführt werden.

In Arbeitnehmerkreisen ist bereits von Erpressung durch Siemens die Rede. Denn damit würde der jüngste IG-Metall-Abschluss „wieder aufgemacht“, heißt es. Der letzte Tarif-Abschluss hatte Öffnungsklauseln vorgesehen, allerdings nur für höher qualifizierte Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung. Die Autoindustrie, etwa Daimler-Chrysler, macht davon teilweise bereits Gebrauch.

Auch Konzernchef Heinrich von Pierer verschärfte zuletzt den Ton. Er hatte öffentlich damit gedroht, dass der Konzern möglicherweise aus dem Arbeitgeberverband austreten könnte und damit nicht mehr an die Tarifabschlüsse gebunden wäre. Bisher hatte der auf Konsens ausgerichtete Konzernchef solche Schritte stets abgelehnt. Inzwischen ist der Abstand der Löhne in Osteuropa und Asien zu den Löhnen in Deutschland noch deutlicher gestiegen.

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