IG Metall hat zu weiteren Warnstreiks aufgerufen
Metallbranche: 17 000 streiken für Altersteilzeit

Die IG Metall hat im Konflikt um eine neue Altersteilzeit mit Warnstreiks den Druck auf die Arbeitgeber verstärkt. Zu Beginn der mehrtägigen Protestwelle legten am Mittwoch in Baden-Württemberg nach Angaben der Gewerkschaft rund 17 000 Menschen ihre Arbeit vorübergehend nieder. Betroffen waren Werke von großen Firmen wie Daimler, Bosch und Stihl.

dpa STUTTGART. Allein zum offiziellen Auftakt mit IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) kamen 6500 Beschäftigte von Audi und Kolbenschmidt. Bei Audi standen die Bänder etwa eine Stunde still. Heftige Kritik an den Protestaktionen kam von den Arbeitgebern.

In Baden-Württemberg verhandelten IG Metall und Südwestmetall bislang ergebnislos über eine Anschlussregelung für die Ende 2009 auslaufende staatliche Förderung. Die Gespräche im Südwesten werden stellvertretend für die anderen deutschen Tarifgebiete geführt. Das vierte Treffen ist für den 9. Juni in Böblingen angesetzt. Bundesweit hat die Metallbranche 3,4 Mill. Mitarbeiter, in Baden-Württemberg sind es rund 800 000 Beschäftigte.

Hofmann verlangte: "Ein ordentliches Angebot der Arbeitgeber muss auf den Tisch." Menschen, die ein Leben lang gearbeitet haben, müssten einen Anspruch auf einen vorzeitigen Ausstieg zu fairen Bedingungen haben. Die bisherigen Vorstellungen der Arbeitgeber liefen darauf hinaus, dass nur wenige Anspruch auf Altersteilzeit hätten, die sich kaum einer leisten könne. Er strebe ein Ergebnis vor der Sommerpause an. "Wir brauchen keine anderen Themen für die Entgelttarifrunde im Herbst, wenn das Fass nicht explodieren soll."

Hauptstreitpunkt der Tarifpartner ist, wer nach dem Auslaufen der Förderung die Finanzierungslücke schließen soll - Arbeitnehmer oder Arbeitgeber. IG-Metall Vorstandsmitglied Helga Schwitzer betonte in Lübeck erneut, das eine neue Altersteilzeit für die Arbeitgeber nicht zum Nulltarif zu haben sei.

Südwestmetall betonte, das Thema vertrage keinen Konfrontationskurs, sondern bedürfe einer sorgfältig vorbereiteten Lösung. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte: "Von der Sache her gibt es weder eine Veranlassung noch eine inhaltliche Rechtfertigung." Die Tarifpartner seien sich im Grundsatz längst einig, dass es auch nach dem Ende der Förderung die Möglichkeit eines flexiblen Übergangs in die Rente geben müsse. Nur wer aus gesundheitlichen Gründen nicht bis zum Rentenalter arbeiten könne, solle weiter einen Zuschuss für das frühere Ausscheiden bekommen. "Wer sonst früher weg will, muss selbst einen Beitrag leisten."

Fast die komplette Nachtschicht des Daimler-Werkes in Esslingen- Mettingen trat pünktlich zum Ablauf der Friedenspflicht um Mitternacht vorübergehend in den Ausstand. Kurze Zeit später legten beim Autozulieferer Bosch in Stuttgart rund 400 Metaller die Arbeit nieder, die mit Fackeln, Trillerpfeifen und roten Kappen vor die Werkstore zogen. Allein

Auch weitere Daimler-Werke - so die Busproduktion in Mannheim mit 4000 Warnstreikenden - waren von den Aktionen betroffen, genauso wie die Allgaier-Werke in Uhingen (Kreis Göppingen) von Arbeitgeberchef Dieter Hundt und das Unternehmen König Metall in Gaggenau (Kreis Rastatt) des ehemaligen Südwestmetallchefs Otmar Zwiebelhofer. Bei dem Medizintechnikhersteller Aesculap in Tuttlingen war eine ganztägige Informationsveranstaltung des Betriebsrates geplant. Bis Freitag sind über 100 000 Metaller in rund 150 Betrieben zu Warnstreiks aufgerufen. An diesem Donnerstag ruft die Gewerkschaft unter anderem bei Porsche, Bosch und ZF Friedrichshafen zu Warnstreiks auf.

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