IG Metall im Dilemma
Autoindustrie: Die Angst vor dem Abstieg

Produktionsstopps bei Opel und Ford, Gewinneinbruch bei BMW im dritten Quartal, verlängerte Weihnachtsferien bei Daimler und sogar bei Porsche: Die deutschen Autobauer legen in der Finanzkrise eine Vollbremsung hin. In dieser Situation haben es Arbeitnehmer und Gewerkschaft IG Metall schwer, die Öffentlichkeit von ihrer Forderung nach acht Prozent mehr Lohn zu überzeugen. Ein Stimmungsbericht von Warnstreiks bei Opel in Bochum und Daimler in Düsseldorf.

BOCHUM/DÜSSELDORF. Zeiten wie diese hat auch Carsten Adametz noch nicht erlebt. Der Mann mit den modisch-wuschelig geschnittenen dunkelblonden Haaren und kleinem Kinnbärtchen ist schon eine halbe Ewigkeit bei Opel, seit 18 Jahren steht der gelernte Werkzeugmacher im Bochumer Opel-Werk im Presswerk. Für zwei Wochen hatte sein Chef ihn und die Kollegen in Urlaub geschickt - unfreiwillig. Der Konzern kann die Modelle, die vom Band laufen, nicht mehr verkaufen. Adametz kann der Zwangpause gar etwas Positives abgewinnen: "Mir kam die Auszeit ganz gelegen. Meine vier Kinder haben sich gefreut, weil sie mich sonst kaum sehen", sagt der 40-Jährige.

Bochum ist ein besonderes Werk im Konzern: hier wird der Astra, über Jahrzehnte der Bestseller der deutschen Opel-Werke gebaut. Und dennoch erleben die Mitarbeiter seit Jahren ein Wechselbad der Gefühle, das Werk stand bereits mehrmals zur Disposition. Jetzt in der schwersten Krise der Branche seit Jahren, standen hier die Bänder still. Opel hatte die Kollegen für zwei Wochen in Zwangspause geschickt.

Auch Adametz spürt den Zeitenwechsel. Wenn es nach ihm geht, muss die Pause nicht länger werden. Und das obwohl er einer der wenigen Opelaner ist, die noch Überstunden auf dem Arbeitszeitkonto haben.

Am Montag mit der Spätschicht hat für Adametz der unfreiwillige Urlaub geendet. Ab 14 Uhr war er wieder im Presswerk im Einsatz. Hier werden Karosserieteile für die Montage gepresst, die Gestalt der Modelle wird in kaltes Blecht gestanzt - die Abteilung ist ein wenig die Seele des Betriebs. Nach dem Produktionsstopp haben sich alle auf den Start gefreut: "Die Stimmung war gut", sagt Adametz. "Man war froh, sich wieder zu sehen."

Zwangsurlaub - Arbeit - Streik: Bereits am ersten Tag nach der Zwangspause ruft die kampfbereite IG Metall zum Warnstreik auf. Dienstag, 11 Uhr, steht die Produktion im Werk 1 in Bochum-Laer erneut. Nichts geht mehr. Fünf Stunden waren die 1 000 Beschäftigten der Frühschicht zurück aus dem verordneten Urlaub, jetzt untermauern sie mit einem Warnstreik die Forderung nach einem satten Lohnplus. Acht Prozent lautet die Forderung der Gewerkschaft.

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