IG Metall in Tarifrunde kampfbereit: AEG-Arbeiter machen mit Streik Druck auf Electrolux

IG Metall in Tarifrunde kampfbereit
AEG-Arbeiter machen mit Streik Druck auf Electrolux

Das traditionsreiche AEG-Werk in Nürnberg wird seit Freitag bestreikt. Bilder von streikenden Metallern mit roten Schirmmützen, Westen und Trillerpfeifen hat es zum Auftakt einer Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie noch nie gegeben.

HB NÜRNBERG. Wenige Stunden, nachdem die Beschäftigten des vor der Schließung stehenden AEG-Hausgerätewerks in Nürnberg am Freitagmorgen in einen unbefristeten Arbeitskampf gingen, um die drohenden Einschnitte abzumildern, verkündete die Spitze der IG Metall in Frankfurt die Lohnforderung für die wichtigste Branche in Deutschland: Fünf Prozent mehr Geld sollen die 3,4 Millionen Beschäftigten nach dem Willen der Gewerkschaft für die nächsten zwölf Monate bekommen.

Mit dem unbefristeten Ausstand wollen die 1750 Mitarbeiter einen Sozialtarifvertrag für das Werk erzwingen, das bis 2007 geschlossen werden soll. Pünktlich zum Beginn der Frühschicht versammelten sich mehrere hundert AEG-Arbeiter mit Trillerpfeifen, Plakaten und Trommeln vor dem Haupttor und zündeten Feuer in Metallfässern an. Betriebsratschef Harald Dix kündigte an, es werde bis zu einer Einigung mit dem Unternehmen gestreikt. „In zwei bis drei Wochen werden sie weiche Knie bekommen“, sagte er mit Blick auf die Electrolux-Führung.

IG Metall-Chef Jürgen Peters sagte, die Beschäftigten wollten sich „nicht abspeisen lassen wie räudige Hunde“. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber kündigte an, zwischen Unternehmen und Gewerkschaft vermitteln zu wollen. Electrolux-Manager Horst Winkler forderte die Arbeitnehmerseite zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf.

Ziel des Streiks sei es, das Werk in Nürnberg doch noch zu retten, sagte Berthold Huber, zweiter Vorsitzender der Gewerkschaft IG Metall: „Ich kann nur appellieren an den Vorstand von Electrolux, sich das nochmal gut zu überlegen.“ Sollte die Rettung nicht gelingen, wolle die Gewerkschaft in Form einer Beschäftigungsgesellschaft und von Abfindungen wenigstens eine Zukunftschance für die Beschäftigten erreichen.

Der für alle Electrolux-Werke in Europa zuständige Horst Winkler verteidigte den Beschluss zur Schließung des Werks und kritisierte den Streik. Dies bringe die von der Gewerkschaft gewünschte Ziele nicht näher. „Wir wollen, dass alle Mitarbeiter wirkungsvolle Qualifizierungsangebote wahrnehmen können oder vernünftige Abfindungen erhalten“, sagte er. Daher fordere er die Gewerkschaft auf, die Realität anzuerkennen und zu sachlichen Verhandlungen zurückzukehren.

Der schwedische Electrolux-Konzern will das mehr als 80 Jahre alte Werk schließen und die Fertigung wegen des Preiskampfes auf dem Hausgerätemarkt nach Osteuropa verlagern. Gespräche über den Sozialtarifvertrag waren gescheitert. Die IG Metall fordert hohe Abfindungen, Ersatzarbeitsplätze und eine Beschäftigungsgesellschaft für zwei Jahre.

Ein AEG-Mitarbeiter, der seit den frühen Morgenstunden am Werkstor frierend ausharrte, sagte, das Motto sei „Durchhalten“. Der Streik werde erfolgreich sein, weil Electrolux die Geräte aus Mittelfranken brauche. „Die Lager hier in Nürnberg und der Umgebung werden langsam leer“, sagte er.

Die streikenden AEG-Arbeiter wurden von einigen Dutzend Infineon-Mitarbeitern aus München-Perlach unterstützt. „Wir sind der Meinung, die Leute hier sind in der gleichen Lage wie wir. Daher unterstützen wir sie jetzt auch“, sagte einer von ihnen. In Perlach lief die Produktion dennoch weiter. Die nach Nürnberg gereisten Mitarbeiter hätten frei oder Urlaub, hieß es bei der Gewerkschaft.

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