IG Metall kämpft um Privilegien und den Tarifvertrag
Präzedenzfall Daimler befürchtet

Die IG Metall beschwört den Schulterschluss. „Die kriegen die Daimlers nicht auseinander“, droht im Süden Jürgen Stamm, Leiter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Stuttgart.

HB BERLIN/FRANKFURT. Im Norden stößt Bezirksleiter Frank Teichmüller, zuständig für die Region Bremen, ins gleiche Horn: „Die Solidarität der Beschäftigten steht. Das gilt für alle Werke von Daimler-Chrysler.“

Bei Deutschlands größtem Autokonzern Daimler-Chrysler hängt der Haussegen schief. Seit Mercedes- Chef Jürgen Hubbert damit droht, die Produktion der C-Klasse vom teuren Standort Sindelfingen ins billigere Bremen und nach Südafrika zu verlagern, rüsten Betriebsrat und IG Metall zum Großkonflikt. Am morgigen Donnerstag sollen Proteste der 160  000 Daimler-Beschäftigten in ganz Deutschland zeitweise die Produktion lahm legen. Es geht um mehr als nur die Forderung Hubberts, in Sindelfingen müssten die Arbeitskosten jährlich um 500  Mill. Euro gesenkt werden, damit die C-Klasse dort weiter produziert werden kann und 6  000 Jobs bestehen bleiben.

Die IG Metall fürchtet den Anfang vom Ende der Bindungskraft ihrer Tarifverträge. Schichtzuschläge, Pausenregelungen, Leistungszulagen – vieles von dem, was sie seit den siebziger Jahren im prosperierenden Schwabenländle erkämpft hat, will die Daimler-Spitze mit Hinweis auf den internationalen Kostendruck streichen. Der Elektrokonzern Siemens hatte kürzlich den Vorreiter gemacht. In zwei nordrhein-westfälischen Werken setzte er die 40-Stunden-Woche durch, die Handyfertigung wurde dafür nicht nach Ungarn verlagert. Der Autozulieferer Bosch will ebenfalls die Lohnkosten durch Abstriche am Tarifvertrag senken. Siemens sei die Speerspitze des Arbeitgeberlagers, grollte Mercedes-Betriebsrat Helmut Lense. „Lasst uns die Speerspitze im Arbeitnehmerlager sein.“

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