IG Metall
Stillstand im Tarifkonflikt

Die entscheidenden Tarifverhandlungen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie treten auf der Stelle. Aus Gewerkschaftskreisen verlautete am Dienstagabend in Sindelfingen, die Arbeitgeber hätten „in der Substanz“ nichts Anderes als das bisherige Angebot von 2,1 Prozent für 2009 plus Einmalzahlungen für 2008 geboten.

HB SINDELFINGEN. Die Hoffnungen seien geringer als noch zu Anfang der Gespräche. Zudem gebe es Meinungsunterschiede im Arbeitgeberlager, hieß es. Die IG Metall fordert acht Prozent mehr Einkommen.

Die Unterredungen in der Daimler-Stadt bei Stuttgart waren zweieinhalb Stunden nach dem Auftakt unterbrochen worden, weil die Arbeitgeber Beratungsbedarf angemeldet hatten. Daraufhin hatte sich die sechsköpfige Verhandlungsdelegation unter Führung von Südwestmetall-Chef Stefan Roell länger als angekündigt in ein Hotel zu Gesprächen mit der Spitze des Dachverbandes Gesamtmetall zurückgezogen. Auch nach dreieinhalb Stunden waren die Gespräche für die Branche mit bundesweit 3,6 Mio. Beschäftigten noch unterbrochen.

Bereits zu Beginn des Treffens hatten IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann und Südwestmetall-Chef Roell sich sehr skeptisch geäußert. Die Wahrscheinlichkeit für einen Durchbruch liege unter 50 Prozent, sagten beide Verhandlungsführer. Nach einer rund einwöchigen Warnstreikwelle mit 550 000 Metallern im befristeten Ausstand war es der letzte Versuch, den ersten Arbeitskampf in der Branche seit 2002 abzuwenden. Scheitern die Bemühungen um eine Lösung, könnte ein unbefristeter Streik bereits am 17. November beginnen.

Roell nannte die Forderung der Gewerkschaft angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage „jenseits aller Vernunft“. Die Positionen lägen „sagenhaft weit auseinander“. Roell bekräftigte, ein Abschluss müsse unter der Einigung für 2007 liegen: Damals waren die Einkommen in zwei Stufen um 4,1 und 1,7 Prozent erhöht worden.

Sollte es zu einem Abschluss im traditionellen Tarif-Pilotbezirk Baden-Württemberg kommen, dürfte dieser auch in den anderen Tarifgebieten übernommen werden. Beobachter rechneten mit harten Verhandlungen bis in die Morgenstunden. Die Arbeitgeber argumentieren, dass die derzeitige Krise besonders in der Automobilbranche einen hohen Abschluss verbiete und letztlich Arbeitsplätze stark gefährden würde. Die IG Metall verweist darauf, dass besonders die Maschinenbauer noch volle Auftragsbücher haben und eine kräftige Lohnerhöhung die Binnennachfrage beleben könnte.

Roell betonte, er wolle den Beschäftigten „gutes Geld“ geben und zugleich den Unternehmen gerecht werden. Das Angebot werde nur verändert, „wenn wir in einem Zug zu einem Abschluss kommen“. Die Gewerkschaft lehnte das bisherige Angebot als „Provokation“ ab und droht mit einem Streik. IG-Metall-Bezirksleiter Hofmann strebt nach eigenen Worten einen Abschluss an, der die Metaller an den hohen Profiten der Firmen beteiligt.

Roell rügte das Ultimatum der Gewerkschaft und die angekündigten Streiks, weil sie „Spaltung, Stress und Spannung“ in die Betriebe brächten. Zudem hätten die ausländischen Kunden keinerlei Verständnis für streikbedingte Lieferprobleme. „Das macht mir persönlich richtig Sorgen“, sagte Roell mit Blick auf die drohende Eskalation.

Hofmann verteidigte die Einkommensforderung - die höchste seit 16 Jahren. Er sprach von einer „extremen Diskrepanz“ zu den Arbeitgebern, die sich bewegen müssten. Seine Gewerkschaft werde „aktiv agieren“, kündigte der Gewerkschafter an, ohne Einzelheiten zu nennen. Er fügte hinzu: „Zu einem Verhandlungsergebnis führt immer ein Geben und Nehmen beider Seiten.“

Als Elemente eines Abschlusses, bei denen beide Lager sich schon relativ nah sind, gelten die Laufzeit und die Einmalzahlungen für November und Dezember 2008 - also noch vor Weihnachten. Beide Seiten wollen für ihre Klientel Planungssicherheit, deshalb wird mit einer Laufzeit zwischen 14 und 17 Monaten gerechnet.

Die IG Metall hat für diesen Mittwoch ihre Große Tarifkommission nach Sindelfingen geladen, die über das weitere Vorgehen berät und gegebenenfalls beim Vorstand beantragt, die Gespräche für gescheitert zu erklären.

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