IG Metall will Konflikt nicht eskalieren lassen
Daimler-Verhandlungen in der entscheidenden Phase

Die Verhandlungen über ein Sparpaket für den Automobilkonzern Daimler-Chrysler sind in der Nacht zum Donnerstag in die entscheidende Phase gegangen. Sollte es zu keiner Annäherung kommen, hat der Gesamtbetriebsrat für Freitag weitere Proteste angekündigt.

HB STUTTGART. Am Donnerstagmorgen werde es entweder eine gemeinsame oder zwei separate Pressekonferenzen von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern geben, sagte ein IG-Metall-Sprecher am Donnerstagabend. Hauptstreitpunkte seien eine möglichst langfristige Beschäftigungssicherung sowie eine Sicherung der Einkommen. Ein Konzernsprecher erklärte, die Verhandlungspartner bräuchten mehr Zeit. „Die Verhandlungen gehen konstruktiv weiter. Beide Seiten sind von dem Willen geprägt, hier zu einem Ergebnis zu kommen“, sagte er.

Der Konzern hat mit Produktionsverlagerungen aus dem Südwesten nach Bremen und Südafrika gedroht, falls nicht Kostensenkungen von 500 Millionen Euro pro Jahr in Deutschland erzielt werden. Die Arbeitnehmervertreter hatten bisher die Einsparung von 200 Millionen Euro angeboten, die ursprünglich zur Angleichung der Bezüge von Arbeitern und Angestellten gedacht waren.

Gesamtbetriebsrats-Chef Erich Klemm drang unmittelbar vor Beginn der Verhandlungen auf ein baldiges Ergebnis der Gespräche. „Wir reden schon vier Wochen, insofern muss irgendwann die Entscheidung fallen. Ich hoffe, dass das heute möglich ist“, sagte er. Zugleich sprach er von einer „ganz, ganz schwierigen Phase“, in der der Vorstand sich offensichtlich ohne jegliche Kompromissfähigkeit zeige. Der Betriebsrat sehe derzeit keine Maßnahmen, die er auch gegenüber der Belegschaft vertreten könne und die das vom Vorstand gesetzte Einsparziel ergäben.

Die IG Metall will den Konflikt bei Daimler-Chrysler nach den Worten ihres Vorsitzenden Jürgen Peters nicht eskalieren lassen. „Sicher wird es eine Einigung geben, weil der jetzige Zustand nicht von Dauer sein kann“, sagte er der „Neuen Presse“ aus Hannover. Die Gewerkschaft wolle einen tragfähigen Kompromiss. Einen Eingriff in den Tarifvertrag werde es aber nicht geben. Die Regelarbeitszeit von 35 Stunden pro Woche könne nur in Einzelfällen überschritten werden, wenn dadurch Beschäftigung gesichert werde. „Wir wollen nicht, dass die Tür aufgestoßen wird, um aus einem Einzelfall eine Regel zu machen. Auch die Beschäftigten wissen, dass es um mehr geht als um Daimler.“

In der vergangenen Woche hatten Zehntausende Daimler-Chrysler-Mitarbeiter aus Protest gegen die geplanten Sparmaßnahmen zeitweilig die Arbeit niedergelegt. Der Vorstand hatte daraufhin erklärt, als Beitrag zu dem Sparpaket ebenfalls auf einen Teil seiner Bezüge verzichten zu wollen. Sollte das Sparprogramm nicht umgesetzt werden, könnte die Fertigung der C-Klasse nach Konzernangaben nach 2007 von Sindelfingen nach Bremen und Südafrika verlegt werden, wo die Kosten niedriger sind.

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