Ilse Aigner zu Linde
„Bayerische Unternehmen müssen ihre Position stärken“

Die Fusionspläne von Linde und Praxair hatten in Bayern Angst vor einem Wegzug des Dax-Konzerns ausgelöst. Nun sind die Gespräche geplatzt – jubeln will die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner dennoch nicht.

MünchenAls die Fusionspläne von Linde und Praxair konkreter wurden, schrillten in der bayerischen Staatsregierung die Alarmglocken. Denn seit einigen Jahren hat Linde die Konzernzentrale in München und im Süden der Stadt wichtige Produktionsstätten. Der offizielle Sitz des fusionierten Unternehmens aber sollte im europäischen Ausland sein, die Bayern fürchteten um ihren Standort. Jubeln will Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) angesichts des Scheiterns der Gespräche im Handelsblatt-Interview aber nicht.

Sie hatten Sorge um den Standort Deutschland. Begrüßen Sie nun das Scheitern der Gespräche?
Ich habe, als sich die Fusion abzeichnete, davor gewarnt, dass im Rahmen einer möglichen Fusion bayerische Standorte geschwächt werden könnten. Das Scheitern der Gespräche begrüße ich dennoch nicht. Angesichts veränderter Wettbewerbsbedingungen durch vorausgegangene Fusionen am Gasemarkt ist es wichtig, dass bayerische Unternehmen ihre Wettbewerbsposition stärken. Nur so bleiben Arbeitsplätze in Bayern erhalten. Die Fusion von Linde und Praxair hätte in der Tat einen neuen Weltmarktführer im Industriegasegeschäft hervorgebracht. Aber ein solches Geschäft muss als Fusion unter Gleichen ablaufen. Das scheint nicht der Fall zu sein, so dass ich mit meiner frühen Mahnung wohl richtig lag.

Warum hatten Sie Bedenken?
Es geht mir immer um den Erhalt von Standorten und Arbeitsplätzen in Bayern. Das hat erste Priorität.

Ist die Staatsregierung im Hintergrund bereits aktiv geworden?
Selbstverständlich stehe ich mit der Unternehmensführung in Kontakt. Aber es ist nicht Sache der Politik, strategische Vorgaben zu machen. Klar ist, dass wir sehr wohl für eine starke Stellung der bayerischen Standorte im Unternehmensverbund werben.

Wie muss es nun bei Linde weiter gehen?
Linde wäre ja mit über 64.000 Mitarbeitern der deutlich größere Partner in der Fusion gewesen und ist auch alleine eines der größten Gase- und Engineering-Unternehmen der Welt. Jetzt wird bei Linde in Ruhe zu überlegen sein, ob andere Partner in Frage kommen könnten oder ob das Unternehmen besser alleine bleibt. Ich werde in jedem Fall die weitere Entwicklung aufmerksam begleiten.

Frau Aigner, vielen Dank für das Interview.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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