Im Binnenland sind die attraktiven Standorte für Windkraftanlagen weitgehend vergeben
Windräder sollen sich auf dem Meer drehen

Geht es nach Jürgen Trittin, steht die Windkraftbranche vor einem neuen Aufschwung. Nach Vorstellung des Bundesumweltministers sollen in Windparks vor den deutschen Küsten bis zum Jahr 2025 Windanlagen mit 25 000 Megawatt Leistung installiert sein – was etwa 20 Kernkraftwerken entspricht.

HB DÜSSELDORF.Ein erstes Projekt nimmt in der Ostsee schon konkrete Formen an: 15 Kilometer nördlich der Halbinsel Darß soll der Windpark „Baltic I“ entstehen – mit 21 Windanlagen, die das Meer bis zu 163 Meter überragen. Das Raumordnungsverfahren ist bereits eröffnet.

Auf dem Papier könnten so genannte Offshore-Anlagen 15 Prozent des deutschen Stromverbrauchs decken. Rechnet man die gleichzeitig an Land entstehenden Kapazitäten hinzu, könnte Windkraft in 20 Jahren ein Viertel des Strombedarfs decken – sechsmal mehr als zur Zeit.

Doch Windenergie hat zwei gravierende Nachteile: Sie ist relativ teuer und produziert, weil witterungsabhängig, keinen Grundstrom. Das können nur Atom- oder Kohleanlagen, die rund um die Uhr laufen. RAG-Chef Werner Müller hält es deshalb für falsch, nur auf Windkraft zu setzen: „Was würden die Deutschen wohl sagen, wenn sie wegen Windstille ein Champions- League-Spiel nicht sehen könnten?“

Windkraft kann andere Energieträger nur ergänzen, ersetzen kann sie sie nicht. Doch nach dem Beschluss, aus der Kernenergie auszusteigen, nimmt Deutschlands Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern zu. Und der neue Rekord bei den Ölpreisen wird nicht ohne Folgen für die Stromabnehmer bleiben. Johannes Teyssen, Chef der Eon Energie AG, prognostiziert: „Der Gaspreis wird dem Ölpreis folgen, und das wird auch den Strom teurer machen.“ Damit wächst die Konkurrenzfähigkeit der Windenergie.

Das aber bedroht langfristig die Vormachtstellung der Konzerne. Noch decken Eon, RWE, Vattenfall Europe und EnBW 80 Prozent des Strombedarfs – mit konventionellen Kraftwerken. Die Windkraft haben sie weitgehend einer mittelständischen Industrie überlassen.

Die Konzerne prangern politische Übertreibungen bei der Windkraftförderung an: Danach sind sie nicht nur zum Anschluss neuer Anlagen verpflichtet, sie müssen den Windstrom auch abnehmen und verteilen. Reichen die Netzkapazitäten nicht aus, müssen sie neue Leitungen bauen. So wird der Anschluss der Offshore-Anlagen ans Netz enorme Investitionen erfordern. Außerdem hat Windkraft grundsätzlich Vorfahrt im Stromnetz. Das bedeutet: Wann immer sich ein Windrad dreht, fließt dessen Strom unabhängig von der Nachfrage ins Netz. Andererseits müssen die Konzerne Reservekapazitäten bereit halten, falls Windräder stillstehen.

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