Im Direktvertrieb an der Türschwelle: ein Tag mit einem Vorwerk-Vertreter
Auf der Saugspur

ESSEN. Weiter, weiter, nur weiter. Marc Oliver Rüb treibt sich an. Auf seiner Stirn glänzt Schweiß. Und das, obwohl es an diesem Tag eigentlich nicht heiß ist, eher kühl und feucht. 15 Häuser liegen schon hinter dem Vorwerk-Vertreter, 15 Häuser zu je acht Parteien in dieser früheren Arbeitersiedlung von Thyssen-Krupp in Alten-Essen.

120 Klingeln sind gedrückt seit heute Morgen 9 Uhr. Nur: Verkauft hat Rüb noch nichts. Später Nachmittag, Schweiß, 120 Klingeln.

Weiter, weiter, nur weiter.

Haus Nummer 16. Erbaut 1955. Solide die Substanz, chaotisch die Klingelschilder. Vertreter Rüb drückt die oberste Klingel. Gegensprechanlage und Summer bleiben stumm. Die nächste Klingel. Stille.

Schlank, kurze blonde Haare, hellblaues Hemd, dunkle Stoffhose – der 31-Jährige tritt smart auf, erfolgsorientiert, und betont adrett, der Typ des idealen Schwiegersohns.

Nächste Klingel. Ein Surren, krachend fällt Rüb mit der Tür ins Haus. Die erste Schwelle ist genommen, die Haustürschwelle.

Hinauf in den dritten Stock. „Familie Hüffer“ steht auf einem Keramikschild neben der in Eiche rustikal furnierten Tür. Frau Hüffer*, eine kleine, dunkelhaarige Mittvierzigerin mit großen Augen über vorstehenden Zähnen öffnet.

"Ja?“ fragt sie aus dem schmalen Spalt zwischen Tür und Türrahmen. „Wir von Vorwerk sind wieder da“, sagt Rüb. Laut und deutlich spricht er, strahlt sie mit seinen blauen Augen an, gibt den rundrum netten jungen Mann: „Wir haben ein Pröbchen Teppichreiniger für Sie.“

Während er spricht, schüttet er aus einer grünen Tüte weißes Kobosan auf einen Zettel. Frau Hüffer beobachtet ihn stumm. „Wofür Sie das brauchen?“ Rüb stellt die Frage schließlich selbst. „Sehen Sie, Ihr brauner Teppich“, Rüb kniet sich auf die Fußmatte und schüttet das weiße Pulver auf das schmale Dreieck zwischen Fußleiste und Tür, „Fettflecken, die Sie nie mit einem Staubsauger herausbekommen. Mit Kobosan schon.“ Frau Hüffer ist neugierig geworden, sie bittet herein. „Viel versprechend, sehr viel versprechend“, raunt Rüb und überschreitet Schwelle Nummer zwei, die Wohnungstürschwelle.

Marc Oliver Rüb ist einer von 4 600 hauptberuflichen Vorwerk-Fachberatern in Deutschland. Tag für Tag ziehen sie eine Saugspur durch Tausende von Deutschlands 34 Millionen Haushalten.

Vertreter, die Klinken putzen: Was antiquiert wirkt angesichts von Internetvertrieb und Discount, läuft gut, sehr gut – Rüb und seine Vorwerk-Kollegen trotzen der Konsumflaute. Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte der Konzern mit Produkten wie dem Staubsauger „Kobold“, der Küchenmaschine „Thermomix“ und dem Bügelsystem „Feelina“ seinen Umsatz um 27 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro.

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