Im Fall des Cholesterinsenkers Lipobay
US-Gericht weist Sammelklagen gegen Bayer ab

Ein US-Gericht hat nach Angaben des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer Sammelklagen im Fall des zurückgerufenen Medikaments Lipobay abgewiesen. Nun bereitet die Klägerseite Einzeklagen vor.

HB BERLIN/NEW YORK. Bayer teilte am Mittwochabend nach Börsenschluss mit, er begrüße die Entscheidung des Gerichts in Minneapolis. Bayer sei der Überzeugung, dass sich eine Sammelklage als nicht handhabbar erweisen würde. Bislang sind Bayer zufolge in den USA mehr als 1 342 Lipobay-Fälle mit einem Vergleich abgeschlossen worden. Bayer hatte Lipobay 2001 vom Markt genommen, weil der Cholesterinsenker im Verdacht steht, als Nebenwirkung Muskelschwäche mit tödlichem Ausgang verursachen zu können. Bayer hat nach eigenen Angaben für die mehr als 1 342 Fälle einer außergerichtlichen Einigung 477 Millionen Dollar gezahlt. In zwei Verfahren ist Bayer in den USA bislang von jeglicher Haftung freigesprochen worden.

Bayer argumentierte, Sammelklagen seien nicht angemessen, da bei den Ansprüchen der Kläger zu viele unterschiedliche und individuelle Aspekte zu berücksichtigen seien. Dazu gehörten unter anderem Unterschiede im Recht der US-Einzelstaaten, die unterschiedliche Krankengeschichte der Patienten, unterschiedliche Dosierungen und die Verwendung von Lipobay/Baycol zusammen mit anderen Arzneimitteln. Der Konzern wolle daran festhalten, bei jedem Einzelfall die genauen Umstände und die Art des Anspruchs zu analysieren.

"Das Unternehmen ist auch weiterhin bestrebt, freiwillig und ohne Haftungseingeständnis all diejenigen, die durch Lipobay/Baycol schwerwiegende Nebenwirkungen erlitten haben, im Zuge eines Vergleichs auf faire Weise zu entschädigen", hieß es weiter. Der Konzern werde sich aber auch weiter entschieden verteidigen.

Nach Ablehnung der Sammelklagen gegen Bayer durch ein Bezirksgericht in Minneapolis bereitet die Rechtsvertretung der Klägerseite Einzelklagen vor. Wie Anwalt Charles S. Zimmerman von der Kanzlei Zimmerman Reed am Mittwochabend sagte, wird auch die Möglichkeit geprüft, Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Gerichts einzulegen. Die Entscheidung des Gerichts habe nicht auf der Frage basiert, ob die Kläger tatsächlich geschädigt worden seien, sagte Zimmerman. Das Gericht habe vielmehr festgestellt, dass mit rund 1 000 Personen Vergleiche geschlossen worden seien.

Bayer hatte bei der Vorlage des Halbjahresberichts Anfang August erstmals eingeräumt, dass der Konzern auch dann Belastungen ausgesetzt sein könnte, die den versicherten Bereich übersteigen, wenn es bei den Lipobay-Verfahren zu einem unerwartet starken Anstieg der Vergleichsfälle komme. Das Gleiche gilt früheren Aussagen zufolge, wenn sich Kläger in den anhängigen Verfahren in den USA in erheblichem Umfang durchsetzen können.

Der Kurs der Bayer-Aktie war in der Vergangenheit eingebrochen, weil Investoren Schadenersatzforderungen im Zusammenhang von Lipobay in Höhe von mehreren Milliarden Dollar befürchtet hatten. Nach den Erfolgen für Bayer in den ersten beiden Prozessen hatte sich der Kurs in den vergangenen Monaten wieder erholt. Am Mittwoch schloss die Bayer-Aktie 1,3 Prozent im Minus bei 19,67 Euro.

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