Im Fokus: Gazproms Reich wächst und wächst

Im Fokus
Gazproms Reich wächst und wächst

Wegen des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine steht der weltgrößte Gasförderer Gazprom derzeit besonders im Fokus des Interesses. Der vom russischen Staat kontrollierte Konzern zählt zu Europas größten Unternehmen. Beim Erdgasexport aus Russland hat er ein Monopol - und ist weltweit auf Einkaufstour. Das Imperium wächst so stark, dass mancher Kritiker bereits von Invasion spricht.

DÜSSELDORF. Allein im Jahr 2008 hat sich Gazprom nach Informationen des Finanzdienstleisters Thomson One an 25 Unternehmen neu beteiligt, seine Stellung dort ausgebaut oder sie sich gar komplett einverleibt. Der geografische Schwerpunkt lag dabei in Russland, beschränkte sich aber bei weitem nicht darauf. Der Übernahmehunger des Konzerns, der im Jahr 2007 nach heutigem Kurs umgerechnet 60 Mrd. Euro umsetzte, ist gewaltig.

Folgende Daten im Jahr 2008 verdeutlichen das: 18. Februar, 13. März, 2. Juni, 12. August, 7. und 18. November. An diesen Tagen hat Gazprom seinen Anteil am weißrussischen Staatskonzern Beltransgaz auf 25 Prozent aufgestockt, eine Minderheitsbeteiligung am britischen Verbrauchsmesserhersteller Tru-Read erworben, ist in Österreich bei Centrex Energy & Gas und in Frankreich beim Öl- und Gaskonzern Fragaz eingestiegen, hat seinen Mehrheitsanteil an Armrosgazprom in Armenien ausgebaut und sich schließlich in Italien mit 50 Prozent am Stromversorger A2A Beta beteiligt.

In der Schwebe sind außerdem weitere Beteiligungen oder ihr Ausbau in Kanada, Kirgistan und Kasachstan, ganz zu schweigen von den Gerüchten, die um die Interessen der Russen wabern. Gazproms Vizechef Alexander Medwedjew hat in einer Talk-Show im britischen Fernsehen nach der Frage, wie viele Unternehmen Gazprom im Visier habe, einst auf seine Hände geschaut - und grinsend gesagt, er habe nicht genug Finger, diese zu zählen.

Klar ist dagegen, was Gazprom gehört. Auf seiner Homepage nennt der Konzern zum Stichtag 16. April 2008 nicht weniger als 18 verbundene Unternehmen, darunter auch die deutsche Tochter Gazprom Germania und Wingas, ein Joint Venture mit dem Ludwigshafener Chemieriesen BASF. Hinzu kommen 74 Unternehmen, die Gazprom zu 100 Prozent gehören, weitere 39, an denen der Konzern zu mehr als 50 Prozent beteiligt ist und 41, an denen der Anteil bei höchstens 50 Prozent liegt.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter
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