Im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten sind die Großkonzerne auf dem Vormarsch
Gesundheitsreform beschleunigt Konzentration im Pharmasektor

Der deutsche Markt für nicht verschreibungspflichtige Medikamente steht wegen des starken Umsatzeinbruchs vor einer Neuordnung. Davon gehen Experten der in der Pharmabranche führenden Marktforschungsgruppe IMS aus.

FRANKFURT/M. In dem Segment des Marktes würden sich die großen Anbieter und Marken noch stärker durchsetzen. Kleinere Hersteller, die bislang noch mehr als die Hälfte des Marktes beherrschen, dürften dagegen unter Druck geraten.

„Der Markt wird derzeit völlig neu definiert“, sagt Jürgen Petersen, der bei IMS für OTC-Produkte zuständig ist. OTC bedeutet „over the counter“ und umfasst alle Arzneien, für die kein Rezept benötigt wird, wie etwa Aspirin.

Motor hinter der Neuordnung ist vor allem die Gesundheitsreform. Seit Jahresbeginn müssen die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) rezeptfreie Medikamente nur noch in Ausnahmefällen erstatten. Anbieter von OTC-Produkten sind damit gezwungen, stärker ins Endverbraucher-Marketing und den Aufbau starker Marken zu investieren. Das überfordert jedoch viele mittelständische Anbieter finanziell.

Während weltweit der Markt für OTC-Medikamente um gut vier Prozent auf umgerechnet etwa 42 Mrd. Dollar wächst, rechnet IMS für Deutschland mit einem Umsatzrückgang von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 6,8 Mrd. Euro. Im Teilbereich der bislang noch erstattungsfähigen Produkte dürfte sich der Umsatz auf etwa 1,4 Mrd. Euro halbieren, während der Umsatz im Bereich Selbstmedikation um etwa zehn Prozent zulegt.

Schon im laufenden Jahr schneiden die großen Hersteller deutlich besser ab als die kleineren Unternehmen. Die führenden 20 Anbieter der Branche verbuchten laut IMS Einbußen von durchschnittlich nur fünf Prozent, während die übrigen mehr als 800 kleinen Anbieter auf dem Markt im Schnitt fast 20 Prozent an Umsatz verloren. Die zehn größten Unternehmen der Branche, darunter Bayer, Ratiopharm, Hexal, Boehringer und Novartis, halten inzwischen einen Marktanteil von 42 Prozent und bestreiten mehr als 50 Prozent der Werbeausgaben.

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