Im Gespräch mit: EDF-Chef Pierre Gadonneix
„Wir engagieren uns nur dort, wo wir willkommen sind“

Pierre Gadonneix steht seit über drei Jahren an der Spitze von Electricité de France. Zuvor war er 17 Jahre lang Chef von Gaz de France. Im Handelsblatt-Interview spricht er über Expansionspläne, Investitionen in Kernkraft und das Engagement der Franzosen bei EnBW.

Herr Gadonneix, in Europa dreht sich das Fusionskarussel atemberaubend schnell. Enel hat Eon bei Endesa ausgestochen, Iberdrola kauft Scottish Power und Suez fusioniert mit Gaz de France. Was ist mit der Nummer eins, Electricité de France (EDF)?

Wir waren doch einer der ersten Konzerne, der sich breit in Europa aufgestellt hat – und erzielen inzwischen 50 Prozent unseres Umsatzes im Ausland. In Großbritannien haben wir eine Tochter, in Deutschland sind wir an der Energie Baden-Württemberg (EnBW) und in Italien an Edison beteiligt. Wir haben uns in den letzten Jahren auf die Entwicklung dieser Engagements konzentriert – und wollen das auch weiter machen. Aber natürlich sind wir auch an Zukäufen interessiert…

…auch an großen Übernahmen?

Ja, wenn sie unsere Kriterien erfüllen. Erstens bezahlen wir nicht jeden Preis. Zweitens muss ein Investment die Gruppe weiterbringen. Und drittens engagieren wir uns nur dort, wo wir willkommen sind.

In welchen Bereichen sehen Sie denn solche Gelegenheiten?

Eigentlich lassen wir uns nicht in die Karten schauen, aber ein Beispiel kann ich ihnen nennen. Wir sind am belgischen Gasunternehmen Distrigaz interessiert, das Suez im Rahmen der Fusion mit Gaz de France verkaufen muss. Wir werden ein Angebot abgeben – und hoffentlich das beste.

Eon und RWE sollen daran auch interessiert sein.

Ich erwarte einen harten Wettbewerb. Vermutlich wird das Verfahren Anfang nächsten Jahres beginnen.

Ist das Gebot ein Eingeständnis, das EDF zwar ein Stromriese ist, aber schwach bei Gas?

Auf jeden Fall müssen wir unseren Zugang zu Gas verbessern. Zum einen benötigen wir es für unsere Kraftwerke. Zum anderen wollen einige Kunden aus einer Hand mit Strom und Gas beliefert werden. Gas wird nicht unser Hauptgeschäft sein, aber wir benötigen ein starkes Standbein.

Und gibt es sonst irgendwelche Investitionsschwerpunkte?

EDF will beim Aufschwung der Atomkraft eine wichtige Rolle spielen. Nach vielen Jahren stehen in zahlreichen Ländern jetzt wieder große Investitionen an – und daran wollen wir teilhaben, als Investor und als Betreiber, entweder alleine oder mit lokalen Partnern. Im Blick haben wir zur Zeit neben Großbritannien, Südafrika, USA vor allem China. Dort werden 20 neue Anlagen geplant.

Speziell China dürfte kein einfacher Markt sein.

Wir waren dort schon beim Bau der ersten Anlage vor 20 Jahren dabei – und rechnen uns gute Chancen aus.

In Deutschland wird immer wieder spekuliert, EDF könnte nach RWE greifen. Können Sie RWEs neuen Chef, Jürgen Großmann, beruhigen?

Solche Spekulationen kann ich nicht kommentieren. Alles was ich dazu sagen würde, könnte falsch verstanden werden.

Seite 1:

„Wir engagieren uns nur dort, wo wir willkommen sind“

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%