Im Gespräch mit: Eon-Chef Wulf Bernotat
„Wir treffen auf heftige Widerstände“

Die Energiebranche steht wegen steigender Preise in der Kritik – speziell Wulf Bernotat. Der Chef des größten Versorgers Eon ist das Sprachrohr der Branche. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er über den Dialog mit der Politik und Probleme beim Bau von Kraftwerken und Netzen.

Herr Bernotat, die Energiebranche und speziell Sie, der Chef des größten Konzerns, Eon, stehen wegen steigender Preise am Pranger. Wie konnte das passieren?

Eon hat in diesem Jahr bewusst eine Sprecherfunktion für die Branche übernommen, weil es in den anderen Energieunternehmen viele Wechsel an der Führungsspitze gab und damit eine gewisse Sprachlosigkeit. Durch unsere sehr aktive Kommunikation haben wir – und speziell ich – dann natürlich die Aufmerksamkeit auf uns gezogen und uns dem Risiko der Kritik ausgesetzt. Es war aber richtig, das zu tun, und wir suchen auch weiterhin das Gespräch mit Politik und Öffentlichkeit. Wir wissen aber, dass die Bretter, die wir bohren müssen, sehr dick sind.

Bei RWE ist das Führungsvakuum beendet. Der neue Chef Jürgen Großmann bringt sich gleich in die Debatte ein. Stört Sie das?

Keineswegs. Die Branche kann mehr als eine starke Stimme gebrauchen. Das kann der Sache nur helfen.

Er hat einen Energiepakt vorgeschlagen. Konzerne, Politik und Verbraucher sollen sich auf ein zukunftsfähiges Energiekonzept einigen. Was halten Sie davon?

Es ist absolut richtig, in dieser Situation wieder das Gespräch zu suchen. Politik und Wirtschaft haben eine gemeinsame Verantwortung und eine schwierige Aufgabe vor sich. Wir können es uns nicht leisten, nur übereinander statt miteinander zu reden. Wir müssen den Energiedialog dringend wiederbeleben. Ob man das Energiepakt oder Energiedialog nennt, ist dabei nicht von so großer Bedeutung. Was wir dringend brauchen, sind pragmatische Schritte. Das müssen zunächst gar nicht großartige Konzepte sein. Viel wichtiger ist, dass man wieder konstruktiv miteinander spricht und die Fakten und Zusammenhänge transparent macht.

Sehen Sie denn in der Politik die Bereitschaft für einen Dialog?

Erfreulicherweise schon. Vor einer Woche war ich mit Vertretern des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) zu einem Abendessen bei der Bundeskanzlerin eingeladen. Sie hat mich bei dieser Gelegenheit gebeten, gemeinsam mit der Branche den sachgerechten Dialog über die energiepolitischen Herausforderungen der Zukunft neu zu initiieren. Das werde ich jetzt sehr gerne tun.

Das klingt nach weiteren Energiegipfel-Gesprächen. Solche hatten wir schon zur Genüge, und sie hatten allesamt kaum Erfolg. Was soll denn jetzt anders werden?

Es stimmt, die bisherigen Energiegipfel haben in der Tat nur bedingt zu greifbaren Ergebnissen geführt. Zum einen lag das sicher an der zu engen Terminierung durch alle Beteiligten. Die Treffen fanden in der Regel erst statt, kurz bevor das Kabinett über wichtige energiepolitische Fragen entscheiden wollte oder bevor die EU-Kommission in Brüssel zu wichtigen Themen Stellung beziehen wollte. In einer solchen Situation werden dann schnell Ecken rund gemacht, um im Zeitplan bleiben zu können.

Und zum anderen …

… waren die Gesprächsrunden insgesamt vielleicht zu breit angelegt. Zu viele Teilnehmer und ein zu großes Themenspektrum erschweren es, bei derartig schwierigen Fragen klare Ergebnisse zu erzielen.

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