Im Gespräch mit: Strabag-Chef Haselsteiner
„In Deutschland ist alles extrem“

Hans Peter Haselsteiner, Haupteigentumer und Vorstandschef des österreichischen Baukonzerns Strabag SE, spricht mit dem Handelsblatt über den osteuropäischen Wachstumsmarkt, den Ärger mit der deutschen Bürokratie und den bevorstehenden Börsengang seines Unternehmens.

Herr Haselsteiner, wo fühlen Sie sich eigentlich als Unternehmer wohler: in Deutschland oder in Österreich? Oder irgendwo in Osteuropa?

Das ist eine unfaire Frage. Niemand kann seine Herkunft verleugnen und ich auch nicht. Da, wo der Schmäh noch rennt, da fühle ich mich eben besonders wohl. Aber gut, Sie brauchen eine richtige Antwort. Ich sage: In jenen Ländern, wo Abläufe nachvollziehbar und berechenbar sind, da fühle ich mich als Unternehmer relativ wohl.

Dann nehmen wir an, Deutschland gehört dazu, sonst hätten Sie dort nicht in den vergangenen Jahren massiv dazugekauft und Ihre Strabag von der Größe her in eine Spitzenposition gebracht, oder?

Die Bürokratie in Deutschland kann ich inzwischen relativ gut einschätzen.

Was passt Ihnen nicht?

Ach, schau’n Sie: In Deutschland ist alles extrem. Die Flexibilität ist mangelhaft, der Egoismus groß, die Mitbestimmung unverständlich, der Dienstleistungsgedanke ist verloren gegangen. In Ungarn werde ich von Behörden und Mitarbeitern gefragt, was müssen wir tun, damit etwas geht. Ich bin dort derjenige, der dafür sorgt, dass es überhaupt einen Betriebsrat gibt. In Deutschland habe ich den Eindruck, dass sich viele fragen, was müssen wir tun, um etwas zu verhindern.

Und dennoch investieren Sie im großen Stil in Deutschland. Dann kann es ja wohl so schlecht dort nicht sein.

Das ist relativ. Immerhin leiden in Deutschland alle Mitbewerber unter den gleichen Bedingungen, so dass niemand einen Vorteil hat. In unserer Branche ist es ja so: Wenn ich eine Brücke über den Rhein bauen soll, dann kann ich sie nur dort bauen. Und dann interessiert es niemanden, dass ich die gleiche Brücke, wenn sie über die Moldau oder den Don führte, für die Hälfte des Geldes bauen könnte.

Nützt Ihnen Ihre Osteuropa-Erfahrung in Westeuropa also nichts?

Wenn Sie meinen, dass wir günstige Arbeitskräfte aus Osteuropa in Westeuropa einsetzen können, dann liegen Sie falsch. Wir stecken da alle unter der Käseglocke der Übergangsfristen, die Osteuropäern für sieben Jahre verbieten, in den meisten EU-Ländern anzuheuern.

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