Im Gespräch mit: Wendelin Wiedeking
„Ich halte nichts von Schmusekurs“

Unter Wendelin Wiedeking wurde Porsche zu einem der profitabelsten Autobauer weltweit. Seit fast 15 Jahren leitet er die Geschicke des Unternehmens. Im Gespräch mit dem Handelsblatt spricht der 55-Jährige über frischen Wind bei Volkswagen, Gefährdungen der deutschen Autoindustrie durch die geplanten Kohlendioxid-Grenzwerte und Fehler in der Umweltpolitik.

Herr Wiedeking, als Porsche vor zwei Jahren 18 Prozent der VW-Aktien kaufte, sahen Sie Ihr Unternehmen im „Basislager“. Heute halten Sie über 30 Prozent. Wann erreichen Sie den Gipfel?

Wir kaufen derzeit keine Aktien, haben aber über Optionen die Möglichkeit, unseren Anteil jederzeit auszubauen. Einen Aufsichtsratsbeschluss für eine weitere Aufstockung des VW-Anteils gibt es aber nicht.

Der Kurs der VW-Aktie steigt seit Wochen gegen den Trend. Wenn Sie nicht kaufen, wer tut es dann?

Ich vermute, dass Banken kaufen. Immerhin müssen sie ja auch in der Lage sein, uns die Aktien zu liefern, für die wir die Optionen besitzen.

Das heißt die Banken verlieren das Geld, das Sie gewinnen?

Sie kennen ja das Geschäftssystem mit den Optionen. Bei der einen oder anderen Bank wird man sich schon seine Gedanken machen.

Haben Sie sich mit Hilfe Ihrer Optionen schon heute eine Mehrheit an VW gesichert?

Dazu werden Sie doch nicht ernsthaft eine Antwort von mir erwarten.

Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zum VW-Gesetz steht bevor. Stocken Sie anschließend auf?

Das EuGH-Urteil ist für unser weiteres Vorgehen sehr wichtig. Wir sind der festen Überzeugung, dass das Gesetz fallen muss, weil es unsere Rechte als Aktionär beschneidet. Wir haben über 30 Prozent der VW-Stammaktien, aber dürfen nur 20 Prozent der Stimmrechte ausüben. Entscheidend ist jedoch, dass wir unsere weiteren Aktionen langfristig geplant haben, damit uns niemand von außen zu Dingen zwingen kann, die dann möglicherweise teuer werden könnten. Es gab ja viele Firmenübernahmen, bei denen die Käufer noch erheblich nachbessern mussten. Bei uns werden Sie das nicht erleben.

Was machen Sie, wenn das VW-Gesetz nicht fällt?

In diesem Fall würden wir eigene Rechtsmittel einlegen.

Und wenn auch das nicht klappt?

Selbst in diesem unwahrscheinlichen Fall ist unser Engagement sehr lukrativ. Wir haben fünf Milliarden Euro in eine Beteiligung investiert, die heute über 16 Milliarden Euro wert ist. Mit Blechbiegen hätte das länger gedauert, und als größter Aktionär können wir auch auf der jetzigen Basis Einfluss nehmen.

Sie haben den Einstieg bei VW mit industrieller Logik begründet. Müssten Sie nicht schon mehr gemeinsame Projekte haben?

Offensichtlich unterschätzt man die Vorteile für Porsche. VW hilft uns nicht nur weiter beim Thema Umwelt und verbrauchsarme Technologien. Auch bei der immer wichtigeren Elektronik sparen wir mit VW erhebliche Kosten ein. Bei Entwicklung und Produktion bringt die breitere Basis bei den Stückzahlen erhebliche Skaleneffekte. Damit haben wir Kostenstrukturen wie BMW und Mercedes. Außerdem sichern wir mit der Beteiligung unsere Interessen bei VW.

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