Im Konkurrenzkampf mit den Multis holen nationale Energiefirmen auf
Hoher Ölpreis stärkt staatliche Förderkonzerne

Den internationalen Ölkonzernen stehen schwierige Zeiten ins Haus – trotz des steigenden Ölpreises. Die Hausse an den Ölmärkten erreichte am Dienstag mit über 52 Dollar für die Nordseeölsorte Brent zwar einen zeitweiligen Rekordstand. Die Preisrally beschert nicht nur den börsennotierten Multis wie Exxon-Mobil, BP oder Royal Dutch/Shell rasant steigende Gewinne. Sie stärkt vornehmlich die staatliche Konkurrenz.

DÜSSELDORF. Die erschwert nicht nur den Zugang zu den heimischen Märkten. Mit Hilfe der zusätzlichen Einnahmen können die nationalen Ölfirmen die Multis in Bereichen wie zum Beispiel der Petrochemie attackieren, in denen sie bisher weniger stark waren.

Grundsätzlich können sich die staatlichen Gesellschaften auf einen gewaltigen Wettbewerbsvorteil verlassen, den der saudische Ölminister Ali Al-Naimi erst kürzlich auf einem Seminar der Opec beschrieben hat: Mehr als die Hälfte der 50 größten Ölfirmen befänden sich ganz oder mehrheitlich in Händen eines Staates. Allein die voll staatlichen Unternehmen hielten 72 Prozent der weltweit nachgewiesen Ölreserven. Sie beherrschen damit auch das Gros der noch nicht entwickelten Felder. Zudem produzieren sie mehr als ihre börsennotierten Konkurrenten, die dafür deutlich mehr Geld in das Fördergeschäft investieren (siehe Grafik). Beobachter erwarten, dass der Wettbewerb um leicht förderbares Öl und Gas langfristig härter wird.

Die nationalen Ölgesellschaften, vor allem aus Asien, lassen schon jetzt die Muskeln spielen. „Wir müssen unseren Wettbewerbsvorteil gegenüber den internationalen Konzernen stärker nutzen“, sagte Hassan Marican, Chef der malayischen Petronas kürzlich unverblümt auf dem Opec-Seminar in Wien. DieStaatsfirmen müssten sich im Kampf um Marktanteile wappnen. Ein wichtiges Mittel sei die Diversifizierung weg vom klassischen Fördergeschäft.

Der Saudi Al-Naimi schlägt als starker Mann der Opec weniger aggressive Töne an. Er sieht die Möglichkeit zu Allianzen mit internationalen Ölkonzernen wie zum Beispiel im Raffineriegeschäft. Doch die Liberalisierung der Energiemärkte eröffne den nationalen Firmen auch Investitionschancen im Downstream-Bereich – insbesondere in Asien. Saudi Aramco, die staatliche saudische Gesellschaft, ergreift solche Chancen heute gerne.

Je länger sich der Ölpreis auf hohem Niveau hält, desto besser ist die Position der staatlichen Konzerne: Gesellschaften wie Saudi Aramco, die iranische Nioc, KPC aus Kuwait oder die venezolanische PDV, die alle zu den internationalen Top Ten der Branche gehören, können jetzt auch besser mit den Multis über den Zugang zu den nationalen Märkten verhandeln

.

„Die Förderländer sind nicht mehr so stark auf die internationalen Investitionen angewiesen“, sagt Manouchehr Takin vom Center for Global Energy Studies (CGES) in London. Sie seien in der Lage, ihre Gewinne nun in eigene Projekte zu stecken. Dümpelt der Ölpreis auf niedrigem Niveau wie Ende der 90er Jahre, haben die nationalen Gesellschaften ein Problem: Dann greifen die Regierungen ihnen tief in die Taschen , um ihre von den Öleinnahmen abhängigen Haushalte zu finanzieren. „Heute geht beides“, sagt Takin.

Für Exxon & Co. heißt das: Sie müssen ihre Förderkonzessionen zum Teil sogar nachverhandeln und schlechtere Vertragsbedingungen akzeptieren: So rollen zum Beispiel Kasachstan wie auch Angola alte Verträge heute wieder auf.

Der Geldsegen hilft den staatlichen Produzenten auch, einen weiteren Nachteil gegenüber den privaten auszugleichen: Ihr mangelndes technisches Know-how und die fehlende Effizienz. Servicefirmen wie Schlumberger haben ihr Angebot ausgebaut, „was die nationalen Firmen nicht beherrschen, können sie heute auf dem Markt kaufen“, sagt Takin. Dabei haben sie auch gelernt: Der Produktionszuwachs in Russland sei nicht auf die Investitionen von BP oder Shell zurückzuführen, sagt der CGES-Experte. Die russischen Förderer seien einfach besser geworden.

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