Im Mannesmann-Revisionsverfahren gehen die ersten Punkte an die Juristen in Weinrot
Hätte, wäre, sollte, könnte ...

Nach dem Düsseldorfer Landgericht hat sich nun der Bundesgerichtshof des Mannesmann-Prozesses angenommen. Der erste Eindruck: Statt auf Kreisliga- spielen die Juristen nun auf Bundesliga-Niveau. Es wird noch einmal haarig für die Managergrößen.

KARLSRUHE. Als ob er schon etwas geahnt hätte: „Die Sache hat eine unheimliche Bedeutung“, orakelt Klaus Esser an diesem trüben Donnerstagmorgen vor der Bibliothek des Bundesgerichtshofs. Was damit gemeint ist, lässt er offen. Hat Esser, der stets äußerst korrekt bis zur Kleinkariertheit daherkommt, sich einfach nur versprochen? Wollte er eigentlich sagen: „Die Sache hat eine unheimlich wichtige Bedeutung.“ Oder offenbart der sonst so sachliche und unterkühlte Mann plötzlich, dass es ihm graut? Vor dem, was da eine halbe Stunde später in diesem hellen Kastenbau mit den großen Glasfronten beginnt: die Revision im Mannesmann-Prozess, dem wohl spektakulärsten Wirtschaftsstrafverfahren der deutschen Nachkriegszeit.

Die oberste Strafinstanz der Republik soll entscheiden: Wird das Verfahren noch einmal neu aufgerollt, oder haben die Freisprüche vom Juli vergangenen Jahres Bestand? Müssen Esser, der Ex-Chef des Düsseldorfer Traditionskonzerns, und ehemalige Mannesmann-Aufsichtsräte wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sich erneut vor einem Gericht verantworten? Um sich noch einmal für die Gewährung und Zahlung von Millionenprämien an das ehemalige Top-Management um Esser zu rechtfertigen?

Bereits nach 20 Minuten deutet sich die Antwort an – zur Überraschung vieler, die von den fünf Richtern am Bundesgerichtshof zunächst weniger Klarheit, dafür aber umso mehr komplizierte und trockene Rechtsmaterie erwartet hätten. Und so kommt bei den Beteiligten erst mit Verzögerung an, was Klaus Tolksdorf, Vorsitzender Richter des dritten Strafsenats, fast en passent in seine Vorbemerkungen einfließen lässt: „Ist nicht jede Maßnahme pflichtwidrig, die zu einem Vermögensverlust führt?“

Diese Frage hat es in sich, sagt er damit doch aus: Die Angeklagten haben ihre Vermögensbetreuungspflicht verletzt, als sie Esser und anderen ehemaligen Mannesmann-Führungskräften unmittelbar nach der Mannesmann-Übernahme durch den britischen Konkurrenten Vodafone 111 Millionen Mark an Leistungsprämien anwiesen.

Tolksdorfs Frage geht fast unter, hatte er doch zuvor eine Menge anderer Sätze gesagt und dabei den Verteidigern aus dem Herzen gesprochen: Das Gericht werde nicht darauf eingehen, ob die Höhe der gezahlten Prämien womöglich anstößig war. Er stellt auch von vornherein klar: „Dieser Prozess wird keine grundsätzlich neuen Antworten darauf geben, ob das Strafrecht Managergehältern Grenzen setzt.“

Seite 1:

Hätte, wäre, sollte, könnte ...

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%