Im Porträt
Spitzenmann mit Mut zum Risiko

Airbus-Chef Tom Enders hat sich in seinen Jahren bei dem europäischen Flugzeugbauer Respekt erarbeitet - sogar bei seinen Gegnern. Mit seinen Erfolgen wächst allerdings auch seine Distanz zur Politik.
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MünchenAnekdoten über Tom Enders gibt es im Hause EADS viele. Bei einigen geht es um das Fallschirmspringen und Hubschrauberfliegen, seinen Leidenschaften. Manche handeln von seinem Mut und seiner Risikobereitschaft. Bei vielen geht es um seine Härte gegenüber Politikern und Bedenkenträgern, denen er bisweilen auch sehr undiplomatisch gegenübertreten kann. Respekt vor den Leistungen des gebürtigen Westerwälders als Manager haben selbst seine größten Gegner.

„Führung habe ich beim Bund gelernt“, bekannte Enders erst jüngst im Interview mit der „Zeit“. In der Tat hat der Major der Reserve eine stramme Karriere hingelegt, nachdem er den elterlichen Hof im Westerwald verlassen hatte. Nach seiner Bundeswehrzeit studiert er Geschichte und Wirtschaftswissenschaften in Bonn. Anfang der 90er-Jahre ist er bereits im Planungsstab des Verteidigungsministeriums.

Anschließend wechselt er zum Münchener Rüstungskonzern MBB. Als das Unternehmen über die Daimler-Tochter Dasa in der EADS aufgeht, ist Enders mit Anfang 40 bereits Chef der Verteidigungssparte. Seine Förderer beim EADS-Großaktionär Daimler schätzen vor allem seine Durchsetzungsfähigkeit. 2004 wird er gemeinsam mit dem Franzosen Noël Forgeard Chef des Airbus-Mutterkonzerns EADS.

Doch es brodelt zwischen dem fintenreichen Forgeard und dem ebenso selbstbewussten Enders. Die auf Misstrauen ausgelegte Doppelspitze bekommt schnell Risse. Als die Produktionsprobleme um den Riesenairbus A380 den Konzern erschüttern, kommt es zum offenen Machtkampf. Forgeard zieht den Kürzeren, aber auch Enders wird nicht alleiniger Chef der EADS. Stattdessen finden Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einem ihrer ersten gemeinsamen Gipfel eine salomonische Lösung. Die Doppelspitze bei EADS wird abgeschafft, der diplomatische Louis Gallois wird alleiniger Konzernchef.

Enders geht zur Verwunderung vieler als Airbus-Chef nach Toulouse. Dort trifft er auf viel Skepsis: Airbus ist ein Nationalheiligtum in Frankreich, Enders gilt als der Prototyp des harten und humorlosen Deutschen. Doch über die Jahre erarbeitet er sich Respekt, denn er zieht seine Linie durch.

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Enders bezieht auch politisch Position

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  • „Seine Stärke ist es, unabhängig zu bleiben“, heißt es in seinem Umfeld."

    lächerlich ..... oder gilt das in seinem Umfeld der Transatlantiker?

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