Im Vergleich niedrige Gewinnmarge
Richemont rappelt sich wieder auf

Nach dem herben Umsatzrückgang im vergangenen Jahr sind die Cartier-Uhren des Luxusgüterkonzerns Richemont wieder gefragt. Um mehr als 20 Prozent zogen die Konzernumsätze an.

HB ZÜRICH. Die Umsätze des Konzerns zogen im April und Mai 2004 um mehr als 20 Prozent an und bestätigten damit die allgemeine Erholung der Branche. Nachdem Richemont im letzten Jahr noch Läden und Fabriken schliessen musste und einige Manager abgelöst hat, hofft der Konzern, nun ohne weitere Sparmassnahmen auszukommen.

Für den zweitgrößten Luxusgüterkonzern der Welt hat sich die mit dem Weihnachtsgeschäft 2003 eingesetzte Trendwende bei den Umsätzen auch im Frühsommer bestätigt. Für das neue Geschäftsjahr 2004/05 sei es aber noch zu früh für Prognosen, sagte Richemont-Chef Johann Rupert am Donnerstag.

Im mit März abgeschlossenen Geschäftsjahr 2003/04 lag der Konzerngewinn bei 660 (Vorjahr 642) Millionen Euro. Den Großteil des Gewinns erzielte Richemont dabei einmal mehr mit seinen Anteilen von knapp 20 Prozent an British American Tobacco; dieser trug 422 Millionen Euro zum Konzernergebnis bei.

Der Konzern war von der Konjunkturflaute der vergangenen Jahre überrascht worden und konnte seine hohen Fixkosten nur langsam abbauen. Besonders zu leiden hatten die beiden Marken Alfred Dunhill und Lancel, die Herrenmode und Lederwaren produzieren, und auch die Schmuck- und Uhrenmarke Cartier verzeichnete sinkende Umsätze. Bei Cartier gingen in der Schweiz 200 Arbeitsplätze verloren. Nun soll die Konjunktur wieder für Rückenwind sorgen. Weitere Restrukturierungen seien derzeit im Konzern nicht geplant, sagte Rupert.

Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Gewinnmarge von Richemont allerdings nach wie vor niedrig. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr erzielte der Konzern zwar einen um 14 Prozent höheren Betriebsgewinn von 296 Millionen Euro. Die Marge stieg damit um 1,7 Prozentpunkte auf 8,8 Prozent, liegt aber weit entfernt von den 17 bis 18 Prozent, die der Luxusgüterkonzern vor 2001 erzielte. Branchenführer LVMH bringt es mit seinen Louis Vuitton-Taschen auf nahezu 46 Prozent und mit seinen Kleider-Labels auf rund 32 Prozent. Richemont strebt eine Betriebsmarge von 20 Prozent an, so Rupert. Wie und in welchem Zeitraum er dies erreichen weil, sagte er allerdings nicht.

Im April legten bei Richemont die Verkäufe um 23 Prozent zu, im Mai stiegen sie um 21 Prozent. Bei den hohen Wachstumsraten ist allerdings zu berücksichtigen, dass in den Vorjahresmonaten die Umsätze wegen des Irak-Krieges und der Lungenkrankheit Sars eingebrochen waren.

Einige Investoren waren jedoch besorgt, dass Richemont für die allgemeine Markterholung nicht gut genug positioniert sein könnte und deswegen nicht voll von der wieder steigenden Nachfrage profitierten würde.

Nun sollten die Aktionäre etwas besser wegkommen. „Der deutliche Gewinn-Turnaround im zweiten Halbjahr (2003/04) sowie das bessere Umfeld im vierten Quartal werden das Interesse weiter auf die Aktie lenken“, so Analyst Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank. Die Aktie fiel im frühen Handel um 1,2 Prozent auf 32,90 sfr. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, die Aktie war in den vergangenen Wochen gestiegen.

Richemont will eine Dividende von 0,40 (0,32) Euro zahlen. Analysten hatten im Durchschnitt mit 282 Millionen Euro Ebit und 645 Millionen Euro Gewinn gerechnet.

Der Umsatz des weltweit zweitgrößten Luxusgüterkonzerns, war 2003/04, wie bereits seit Ende April bekannt, um acht Prozent auf 3,38 Milliarden Euro gesunken. Zu konstanten Wechselkursen hatte der Umsatz stagniert.

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