Imagekampagne zur Fußball-WM
Porsche-Chef streicht Million für Kampagne

Der Sportwagenhersteller Porsche AG hat seine Zusage zurückgezogen, die Imagekampagne von Bundesregierung und Wirtschaft zur Fußball-WM 2006 mit einer Million Euro zu unterstützen. Grund ist eine Provokation des früheren Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski.

HB BERLIN/STUTTGART. Vorgeschichte des Streits: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte Verständnis für die Kapitalismuskritik von SPD-Chef Franz Müntefering geäußert. Wiedeking sagte der "Zeit", wenn der Papst Kapitalismuskritik übe, "bekommen alle glänzende Augen und jubeln ihm zu. Also muss eine solche Kritik auch Herrn Müntefering gestattet sein."

Diese Äußerung schmeckte wiederum Rogowski nicht. In einem Interview wurde er gefragt, was er von der Meinung Wiedekings halte. Darauf antwortete der frühere Industriepräsident: "Dass wir Unternehmer-Kollegen haben, die sich wichtig tun und sich aufspielen in einem solchen Zusammenhang - damit müssen wir leben."

Ein Porsche-Sprecher sagte dem Blatt, nach diesen Äußerungen sei "keine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Initiative mehr möglich; wir bedauern das sehr". Die Entscheidung sei "endgültig".

Der VW-Konzern, immerhin der größte Autohersteller Europas, will sich aus inhaltlichen Gründen nicht an der Kampagne beteiligen. Im Rahmen des Werbeprojekts sei "kaum eine Wiedererkennung für einzelne Firmen möglich", sagte ein Sprecher. Bei Daimler-Chrysler hieß es, "wir befinden uns noch in Gesprächen". BMW hatte von vornherein keine Interesse, sodass die Imagekampagne vermutlich ohne die Beteiligung deutscher Autokonzerne laufen wird.

Die Imagekampagne "Deutschland - Land der Ideen" unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler war im Frühjahr gemeinsam von der Bundesregierung und dem BDI ins Leben gerufen worden. Zehn Millionen Euro für die Kampagne kommen aus dem Staatssäckel, die Wirtschaft soll mindestens die gleiche Summe bereitstellen. Bisher liegen von Seiten der Unternehmer Zusagen über 7,5 Millionen Euro vor. Unter den Sponsoren sind Konzerne wie die Lufthansa, die Deutsche Bank oder die Telekom. Nach Darstellung von Rogowski wird noch mit etwa 30 Unternehmen über eine finanzielle Beteiligung verhandelt.

Mit der Kampagne soll das Interesse genutzt werden, das die Fußball-WM als weltweit größtes Sportereignis im kommenden Jahr auf Deutschland lenken wird. "Die ganze Kampagne ist darauf angelegt, das positive Vorurteil, das es von Deutschland gibt, zu verstärken“, sagt Innenminister Otto Schily. Die Imagekampagne wird von der FC Deutschland 06-GmbH koordiniert, deren Geschäftsführer Mike de Vries bis zum vergangenen Jahr auf dem Chefsessel der Leipziger Olympia-GmbH saß - bis die Bewerbung der sächsischen Stadt um die Spiele 2012 scheiterte.

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