Immer mehr Rüstungsfirmen entdecken die innere Sicherheit
Schützen statt schießen

Die Technologie der „High Power Microwave“ (HPM) kann zum Schutz von Konvois eingesetzt werden. Sie zerstört elektrische Schaltkreise in den Zündern von Bomben am Wegesrand. Die US-Armee testet die Technik zurzeit im Irak.

DÜSSELDORF. Auf dem Messestand des Technologie- und Rüstungskonzerns Diehl auf der Eurosatory in Paris standen sich kürzlich Zukunft und Vergangenheit direkt gegenüber: Auf einem Sockel unter Glas präsentierten die Nürnberger das größte Geschoss, das sie bauen: Größe 155 Millimeter. Im Kalten Krieg war die Artilleriemunition stark gefragt. Doch die Kunden wollen nicht mehr wie früher. Die Bundeswehr plant zwar von 2007 an rund 50 000 Schuss zu beschaffen – über acht Jahre. Früher hat sie so viel in einem Jahr gekauft.

Dem Geschoss gegenüber stand ein kleiner Metallkoffer: der Inhalt „High Power Microwave“ (HPM). Diese Technologie kann zum Schutz von Konvois eingesetzt werden. Sie zerstört elektrische Schaltkreise in den Zündern von Bomben am Wegesrand. Die US-Armee hat ein paar von den Koffern zur Zeit im Irak – zum Testen.

HPM könnte, das glauben die Spezialisten von Diehl und Rheinmetall, die diese Technologie gemeinsam entwickelt haben, auch zum Schutz von Industrieanlagen eingesetzt werden. So wie das Vernebelungssystem, das Rheinmetall gerade den deutschen Betreibern von Kernkraftwerken verkauft hat. Das ist die Zukunft – „Home Defence“, zu Deutsch: Heimatschutz.

Die europäische Rüstungsindustrie entdeckt einen neuen Markt, der vor allem seit den Anschlägen vom 11. September und der zunehmenden Terrorgefahr eine Ausweichmöglichkeit für die schrumpfenden Bestellungen der europäischen Armeen eröffnet.

Schützen statt Schießen – noch sind die Umsätze gering: Die Vernebelung der Atommeiler bringt Rheinmetall nur einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Doch das Spielfeld ist groß: Diehl arbeitet an Schutzsystemen für Transportflugzeuge wie den Airbus A 400 M. Der Beschuss eines Flugzeugs der Post-Tochter DHL in Bagdad hat gezeigt, dass auch zivile Nutzer an solchen Systemen Interesse haben. Die Erwartungen der Industrie sind daher hoch. „Der Markt wächst rasant“, sagt Bruno Rambaud, der Chef der Sparte Land & Joint Systems des französischen Elektronik- und Rüstungskonzern Thales.

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