Immobilienmarkt: Britische Häuslebauer spüren Flaute

Immobilienmarkt
Britische Häuslebauer spüren Flaute

Der Auftragseingang der Wohnungsbranche bricht ein – Zinserhöhungen und Kreditzurückhaltung der Banken bremsen die Nachfrage. Keiner kann sagen, wie sich der Immobilienmarkt auf der Insel im kommenden Jahr entwickeln wird.

LONDON. Die britischen Hausbaufirmen blicken mit einer Mischung aus Hoffen und Bangen auf das Frühjahr. Bringt die traditionelle Hochsaison der Hauskäufer nicht die Wende, dann wird 2008 für sie ein schwarzes Jahr. Die großen Unternehmen der Branche haben bereits hässliche Lücken in ihren Auftragsbüchern. Ihre Börsenkurse sind eingebrochen. Immerhin verteidigen sie dank einer Konsolidierungswelle ihre Gewinnmargen.

Die Branche leidet unter dem konjunkturellen Abschwung in Großbritannien. Die stark verschuldeten Briten treten auf die Konsum-Bremse und scheuen vor Hauskäufen zurück. Zugleich sind die Banken bei der Vergabe neuer Hypothekenkredite deutlich wählerischer geworden.

Es ist unwahrscheinlich, dass sich der Markt plötzlich erholt und wir eine normale Frühjahrssaison erleben, sagte gestern der Chef des größten britischen Wohnungsbaukonzerns Taylor Wimpey, Peter Redfern. Er rechnet mit einer allmählichen Besserung. Das im Juli aus einer Fusion zweier führender Hausbauer entstandene Unternehmen hatte zum 31. Dezember einen Auftragsbestand von 1,06 Mrd. Pfund (1,4 Mrd. Euro). Das waren 19 Prozent weniger war als ein Jahr zuvor. Schon das Jahr 2007 war schwach: Die Zahl der neu gebauten Häuser sank um sechs Prozent auf 20 645; der durchschnittliche Verkaufspreis gab um knapp drei Prozent auf 190 000 Pfund nach.

„Der Ausblick für 2008 ist im Moment nicht klar“, warnt Konkurrent Bovis Homes. Die Hauspreise stiegen langsamer und die Banken vergäben weniger Hypotheken. Doch Leitzinssenkungen der Bank von England dürften dem Markt bald positive Impulse geben. Auch bei Bovis lag der Auftragsbestand zum Jahreswechsel um 19 Prozent unter Vorjahr. Das Unternehmen hat 2007 weniger Häuser verkauft und einen niedrigeren Durchschnittspreis erzielt.

Ein ähnliches Bild zeichnete in der vergangenen Woche Persimmon: Aufträge minus 14 Prozent, Verkäufe 2007 minus sechs Prozent. Doch alle drei Unternehmen hielten ihre Gewinnmargen oder verbesserten sie sogar. Persimmon kündigte an, dass Kostensenkungen nach der Übernahme des Konkurrenten Westbury die Margen verbessert hätten, Bovis spricht von stabilen Margen. Marktführer Taylor Wimpey steigerte die Marge 2007 um zwei Prozentpunkte auf 14,5 Prozent, das dank seiner eigenen Fusion.

Dennoch waren die Baukonzerne zuletzt nach den Einzelhändlern die großen Verlierer an der Börse. Der Kurs der Taylor-Wimpey-Aktie sank in den vergangenen drei Monaten um 39 Prozent, während Persimmon um 24 Prozent und Bovis Homes um 16 Prozent nachgaben.

„Wir fliegen blind in den Hausmarkt 2008“, warnte Analyst Jeremy Withersgreen von JP Morgan Cazenove. Es falle den Briten immer schwerer, sich Häuser zu leisten. Doch welche Auswirkungen das genau auf die Zahlen der Baufirmen haben werde, sei noch nicht abzusehen. Langfristig sei der Ausblick gut, beteuern die Baufirmen. Der durch Immigration aus Osteuropa und knappes Bauland erzeugte Nachfrageüberhang werde die Preise stützen.

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