In der deutschen Rüstungsbranche sieht man Zusammenschlüsse mit Skepsis
Schwieriger Weg zu Fusionen in Europa

Die Verteidigungsetats sind eng. Dabei hat der Krieg im Irak gezeigt, dass am Umbau der europäischen Armeen kein Weg vorbeiführt, weil sie mit den USA mithalten müssen. Hilfreich wären weitere industrielle Zusammenschlüsse in Europa. Doch die sind noch weit weg.

BERLIN. Als Bundeskanzler Gerhard Schröder die Chefs der deutschen Rüstungsfirmen im Dezember 1999 ins Kanzleramt einlud, hatte er ein klares Ziel: In einem informellen Pakt sollten sich Politik und Industrie verabreden, wichtige Element der deutschen wehrtechnischen Unternehmen im Land zu halten. Dazu, so hieß es in einer zum Abschluss verabschiedeten Erklärung, sollte sich die Industrie zunächst national neu aufstellen und dann den Schritt einer europäischen Konsolidierung suchen.

Fast alle Kenner waren sich damals einig, dass Fusionen in der Branche nach dem Vorbild der USA unabwendbar seien. Ebenso einig war man sich, dass große US-Firmen in Europa auf Einkaufstour gehen würden.

Doch im Juli 2004 zeigt sich, dass die Versuche der Europäisierung nicht weit fortgeschritten sind. Weder im Marine- noch im Heeresbereich gibt es eine ähnliche Entwicklung wie in der Luftfahrtindustrie, wo der multinationale Konzern EADS entstanden ist. Immerhin: Seit kurzem zeichnet sich ab, dass die meisten deutschen Werf- ten-Aktivtitäten unter der Führung von Thyssen-Krupp zusammengefasst werden. Damit wäre die erste Stufe erreicht, um anschließend in Europa Partner zu suchen.

Tatsächlich hat die öffentliche Debatte in Deutschland seit 2003 erheblich an Fahrt gewonnen. Verantwortlich dafür war vor allem die Übernahme der Kieler U-Boot-Werft HDW durch den amerikanischen Finanzinvestor OEP. Denn dies zeigte, dass der vorangehende Einstieg des US-Konzerns General Dynamics beim spanischen Panzerbauer Santa Barbara kein Einzelfall war.

Seither bastelt die Bundesregierung an einer Abwehrstrategie für unerwünschte Übernahmen aus dem Ausland. Am Freitag wird der Bundesrat abschließend eine Meldepflicht beim Verkauf von Rüstungsfirmen ins Ausland beschließen – mit Vetorecht für die Regierung.

Aber auch andere EU-Partner wollen mittlerweile dem Vormarsch der übermächtigen US-Konkurrenz Paroli bieten. So hat BAE Systems General Dynamics in letzter Minute den britischen Panzerbauer Alvis weggeschnappt – nach freundlichem Druck der britischen Regierung. „Es geht dabei aber vor allem um eine nationale Konsolidierung“, sagt Rainer Arnold, verteidigungspolitischer Sprecher der SPD. Immerhin ist verhindert worden, dass der Einstieg eines US-Konzerns die Vision einer rein europäischen Rüstungsindustrie bereits beendet.

Seite 1:

Schwieriger Weg zu Fusionen in Europa

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%