In diesen Tagen entscheidet die Aufsicht, ob die Aktie wieder gehandelt werden darf
Parmalat strebt nach Bilanzskandal zurück an die Börse

Der italienische Skandalkonzern Parmalat strebt zurück an die Börse. In diesen Tagen wird voraussichtlich die Börsenaufsicht Consob ihre Zustimmung geben, dass die Aktie des Milchriesen wieder an der Börse gehandelt werden darf. Mit einer Entscheidung wird zum Ende des Monats gerechnet.

MAILAND. Die Mailänder Börse, Borsa Italiana SPA, hat bereits am 9. Mai ihre Zustimmung gegeben. Mit Parmalat kehrt ein Name an die Börse zurück, der für den größten Bilanzskandal Europas steht. Der Milchkoloss war im Jahr 2003 nach Bilanzfälschungen unter einer Schuldenlast von 14 Mrd. Euro zusammengebrochen. Der Insolvenzverwalter Enrico Bondi hat das Unternehmen seitdem drastisch aufgeräumt, die Aktivitäten reduziert und gleich mehrere Banken verklagt, die seiner Ansicht nach Mitschuld an dem Kollaps des Unternehmens tragen. Die Zahl der Marken will Bondi von ursprünglich 130 auf 30 reduzieren. Nach den weltweiten Beteiligungsverkäufen sank der Umsatz 2004 gegenüber dem Vorjahr um fast 30 Prozent auf vier Mrd. Euro. Parmalat ist schon heute nur noch in 13 Ländern präsent. Von den einst 32 000 Mitarbeitern werden nur 15 000 übrig bleiben.

Nach dem Geschäftsplan von Bondi soll das Unternehmen in diesem Jahr etwa vier Mrd. Euro umsetzen, nach knapp vier Mrd. Euro im vergangenen Jahr. Bis 2006 oder 2007 will das Unternehmen wieder eine Marge – also das Verhältnis von Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) zum Umsatz – von zwölf bis dreizehn Prozent erwirtschaften. Der Schuldenstand von Parmalat lag Ende 2004 noch bei 11,4 Mrd. Euro.

Im Zuge der Börsennotierung will Parmalat eine Kapitalerhöhung in Höhe von zwei Mrd. Euro vornehmen. Der Börsenwert des Parmalat-Nachfolgers wird von Analysten auf 1,5 Mrd. Euro geschätzt. Wann der neu aufgestellte Lebensmittelkonzern seine Aktien den Investoren anbieten darf, hängt noch von einer Gerichtsentscheidung ab. Denn damit der Börsengang stattfindet, muss noch ein Gericht einem Plan zustimmen, nach dem die Verbindlichkeiten von Parmalat-Gläubigern in neue Aktien umgewandelt werden sollen.

Sobald ein positives Gerichtsurteil vorliegt, könnte der Verkaufsprozess beginnen. Wann die Entscheidung getroffen wird, ist bisher noch unklar. Frühestens könnte der Börsengang Ende August kommen. Das Unternehmen selbst sprach auf einer Pressekonferenz vom Herbst.

Die Aktie der Parmalat Finanziaria ist am 29. Dezember 2003 vom Handel ausgesetzt worden, nachdem sie von mehr als vier Euro auf nur noch 11 Cents gefallen war. Den Inhabern dieser Aktien droht ein Totalverlust. Parmalat Finanziaria war die Muttergesellschaft, die über der Parmalat SPA stand, die jetzt an die Börse gehen soll. Zur Parmalat Finanziaria gehörten mehrere Tochtergesellschaften, darunter auch eine Reiseagentur und der Fußballklub AC Parma, den Bondi noch verkaufen will.

Um zu zeigen, dass das Unternehmen gut für die Zukunft positioniert ist, hat Parmalat Anfang des Monats in Mailand eine neue Produktlinie vorgestellt. Unter dem Namen „Jeunesse“ verkauft das Unternehmen Milch, Joghurt und Säfte mit dem Ko-Enzym Q-10. Carlo Prevedini, der für das operative Geschäft bei Parmalat zuständig ist, bezeichnete die neue Produktlinie als „Zeichen, dass das Unternehmen wieder in der Lage ist, Innovationen zu entwickeln“ – auch in schwierigen Zeiten. „Wir wollen Parmalat zurückbringen, und zwar nicht nur mit Einschnitten, Entlassungen und Kostensenkungen“, sagte Prevedini.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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