In ländlichen Regionen profitiert der Schienennahverkehr von lokaler Identität und kurzen Entscheidungswegen
Bahn versucht sich als Mittelständler

Die Deutsche Bahn entdeckt den Charme und die Chancen mittelständischer Unternehmensführung. In vier ländlichen Regionen, in denen der Bahnbetrieb zum Teil schon stillgelegt war, betreibt sie Schienennahverkehr in kleinen, überschaubaren Strukturen.

WILLINGEN. Mit wachsendem Erfolg: Vom kommenden Jahr an will die eigens gegründete DB Regionetz GmbH bei jährlich rund 100 Mill. Euro Umsatz schwarze Zahlen schreiben. Zudem will Bahnchef Hartmut Mehdorn seine „Mittelstandsoffensive“ auf weitere Netze im flachen Land ausdehnen.

Pünktliche und saubere Züge, steigende Fahrgastzahlen, zufriedene Mitarbeiter, niedriger Krankenstand, positives Image in der öffentlichen Meinung: Die „Kurhessenbahn“, die von Kassel aus ein 245 Kilometer langes Streckennetz durchs grüne Bergland bis ins westfälische Sauerland betreibt, kann eine nicht unbedingt bahntypische Leistungsbilanz vorlegen.

Sie ist einer der vier Bahnbetriebe der DB Regionetz. Der größte ist die „Südostbayernbahn“ mit 450 Kilometern zwischen München und Mühldorf am Inn. In Sachsen gehört die „Erzgebirgsbahn“ mit 217 Streckenkilometern dazu. Und in Thüringen ist die „Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn“ mit 29 Kilometern die kleinste Tochter. Mit einer Verkehrsleistung von 10 Mill. Zugkilometern im Jahr sieht sich DB Regionetz als drittgrößter Anbieter im Nahverkehr auf der Schiene, hinter der Mutter DB Regio und Wettbewerber Connex.

Gemeinsam ist den vier Bahnen die „lokale Identität“, sagt Regionetz-Geschäftsführer Jürgen Dornbach. Geführt würden sie von Unternehmern vor Ort. Mit eigenen „Eisenbahnbetriebsleitern“ sind sie rechtlich eigenständige Bahnverkehrsunternehmen. „Delegation nach oben, das gibt es bei uns nicht“, betont Dornbach: „Jeder trägt Verantwortung.“ Auch Dornbachs Chef Ulrich Homburg, Vorstandsvorsitzender der Konzerngesellschaft DB Regio AG, ist zufrieden: „Mit den auf lokale Bedürfnisse zugeschnittenen Regionetzen beweist die Bahn Flexibilität und zeigt sich somit gleichsam wettbewerbsfähig.“ Ein weiteres Netz sei geplant. Doch auch wenn das Modell „grundsätzlich ausbaufähig“ sei, so Homburg, sei es nicht auf alle Nebenbahnen auszudehnen. Es rechne sich längst nicht überall.

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