In Leipzig ist rentable Nutzung nach der Meisterschaft nicht in Sicht
WM gibt alten Stadien neuen Kick

Moderner, schöner, teurer: Die größten Baustellen der Republik stehen derzeit auf der grünen Wiese. Wenn in zwei Jahren in Deutschland die Weltmeisterschaft angepfiffen wird, soll König Fußball der grüne Teppich ausgerollt werden. Rund 1,4 Mrd. Euro steckt die deutsche Stadionwirtschaft zur Zeit in den Ausbau ihrer WM-Fußballtempel. Das hat die Düsseldorfer WGZ-Bank ausgerechnet. Die Euphorie ist groß: „Wir werden die modernsten Spielstätten Europas bekommen“, sagt Wolfgang Niersbach, Vize-Chef des WM-Organisationskomitees.

DÜSSELDORF. Ohne Hilfe der öffentlichen Hand läuft aber nicht viel. Nur in München, Dortmund, Hamburg und bei der Arena Auf Schalke in Gelsenkirchen tragen private Investoren das volle Risiko. Die restlichen Ausbauten sind Mischfinanzierungen. Beispiel Berlin: 250 Mill. Euro kostet der Umbau des Olympiastadions; 50 Millionen kommen vom Bund, 150 Millionen vom Land Berlin, die restlichen 50 Millionen tragen der Baukonzern Walter Bau und Hertha BSC.

Experten sehen in dem Bauboom vor der WM eine wirtschaftliche Notwendigkeit. „Die Renovierung der Stadien in Deutschland war überfällig“, sagt Aktienexperte Ingo Süßmilch von der WGZ-Bank. Denn die Zuschauer erwarten heute mehr Komfort. Viele Bundesligastadien konnten das lange nicht bieten, sie waren noch auf dem Stand der 70-er Jahre: Breite Laufbahnen trennten die unter freiem Himmel stehenden Fans vom Geschehen.

Als Musterbeispiel für ein modernes Stadion steht die Arena Auf Schalke: Das Dach ist voll verschließbar und ein riesiger Videowürfel sorgt für Stimmung. „Solche Arenen locken neue soziale Schichten ins Stadion“, gibt sich Süßmilch überzeugt. Die Betreiber der neuen Fußballtempel verweisen auf den Besucherboom der vergangenen Jahre. Beispiel Dortmund: Das Westfalenstadion ist mit sechs Partien eine der wichtigsten WM-Spielstätten. Es wurde in den vergangenen Jahren zu einem der größten Stadien Europas ausgebaut. 120 Mill. Euro hat die börsennotierte Borussia-Dortmund GmbH & Co. KGaA investiert. Das Geld stammt aus dem Börsengang und einem geschlossenen Immobilienfonds. „Bedarfsgerecht“ sei der Ausbau gewesen, sagt Manuel Neukirchner, Beauftragter für Investor Relations des Bundesligisten. Fast 83 000 Zuschauer fasst die neue Borussenarena. In der letzten Saison lag der Zuschauerschnitt bei 79 000 pro Spiel.

Trotz des Booms lief bei den Borussen im ersten Halbjahr ein Verlust von 30 Mill. Euro ein. Die Aktie des einzigen börsennotierten Clubs in Deutschland hat seit ihrem Debüt rund drei Viertel ihres Wertes eingebüßt. Grund: Der BVB kalkulierte mit Einnahmen aus den europäischen Wettbewerben, doch das Team qualifizierte sich nicht.

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