In Russland wird der Alkohol knapp
Auf dem Trockenen

Erst Angang dieses Monats wurden in Russland alle ausländischen Weine und Liköre aus dem Handel genommen. Der Markt war überschwemmt mit Fälschungen. Nun erschüttert ein neues Problem den russischen Spirituosenmarkt: Der Alkohol wird knapp, weil neu vorgeschriebene Sicherheitsetiketten nicht fertig werden.

MOSKAU. Gin Tonic? Njet! Caipirinha? Leider njet! Der höflichen asiatischen Kellnerin im beliebten japanischen Restaurant Tanuki, das seine Besucher auch mit einer schicken Bar lockt, fällt das Lächeln immer schwerer. Moskau – inzwischen eine Hochburg edler Küchen und Bars – sitzt auf dem Trockenen. Gähnende Leere auch in den Supermärkten. Dort wo normalerweise die gut sortierten Wein- und Spirituosenregale zu finden waren, stehen nun die Restposten. Ein wenig Wodka, einige Flaschen Bier. Die letzte Falsche Bordeaux sucht für mehrere tausend Rubel einen Käufer. Das war's.

Dabei hat sich die russische Kehle gerade erst an gute ausländische Weine gewöhnt. Vorbei schienen die Zeiten des zuckersüßen „Vino“ von der Schwarzmeerküste. Jetzt ist die ungenießbare heimische Produktion das einzige, was die Händler noch offerieren können – und das in der Hoch-Zeit für Hochzeiten.

Für die drückende Trockenheit ist der russische Zoll verantwortlich: Anfang Juli ordnete die Regierung die Rücknahme aller ausländischen Weine und Liköre aus dem Handel an – eigentlich aus nachvollziehbaren Gründen: Denn das, was in Ladenketten wie „Aromatni Mir“ – zu Deutsch: der Duft der Welt – feilgeboten wurde, beinhaltete oft keine gesunden Aromen. Der russische Alkoholmarkt war überschwemmt von üblen Fälschungen. Die gepanschte Ware kostet mehreren zehntausend Russen im Jahr das Leben.

Präsident Wladimir Putin brachte daher im vergangenen Jahr das Gesetz „Über die staatliche Regulierung der Herstellung und des Umsatzes von Ethylalkohol, Alkohol und alkoholhaltiger Produktion“ auf den Weg. Es zielt auf eine größere Kontrolle des Marktes und bereitet zudem die Einführung des staatlichen Alkohol- und Wodkamonopols vor.

Für Weinliebhaber sind dies schwere Zeiten: Nachdem der Staat zunächst – wohl auch aus politischen Gründen – die beliebten georgischen und moldawischen Weine aus dem Verkehr gezogen hatte, hat es nun auch alle anderen ausländischen Produzenten getroffen. Gut 70 Prozent des zwei Milliarden Euro schweren russischen Weinmarktes stammt aus dem Import.

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