In Südostasien rund ein Drittel aller Malaria-Medikamente ohne Wirkstoff
Viele Plagiate kommen aus Asien

70 Prozent aller Plagiate werden in Entwicklungsländern gefunden. Wo kostengünstige Medikamente nicht ausreichend zur Verfügung stehen, panschen Arbeiter in kleinen Fabriken Gemische aus gefärbtem Wasser, Sägemehl und Backpulver zu Malaria- oder Aidsmitteln und Antibiotika.

swe DÜSSELDORF.Gefüllt in Verpackungen, die sich kaum vom Original unterscheiden, ist der tödliche Betrug perfekt. „Dieses mörderische Treiben ist für Tod und Krankheit auf der Welt in erheblichem Maße verantwortlich“, schreibt der britische Tropenmediziner Paul Newton im Fachblatt „Lancet“.

In Südostasien sind rund ein Drittel aller Malaria-Medikamente ohne Wirkstoff. Nach Informationen der Zeitung „Shenzhen Evening News“ starben in China 2001 über 100 000 Menschen durch gefälschte Medikamente. Die Ministerien schlossen im gleichen Jahr 1 300 illegale Pharma-Fabriken, mehrere Tausend soll es nach Ansicht von Experten noch im Land geben.

Die heiße Ware kommt häufig aus China, sehr oft aus Indien. Was in wenigen Hinterhoffabriken begann, liegt heute in Händen gut organisierter Kartelle. Die Fälschermafia ist eines der gravierendsten Probleme des indischen Gesundheitssystems. Auch in Europa taucht Ware mit dem Ziel afrikanischer Kontinent auf. So entdeckten Zollbeamte in einem der größten europäischen Häfen wiederholt falsche Markenkondome. Im jüngsten Fall: 1,8 Millionen Stück mit einem Warenwert von 900 000 Euro. Vom Original unterscheidet sie nur die Qualität– die Außenhaut zu dünn, der Gummi löchrig. Kein Schutz vor Aids.

„Gefälscht wird alles, was Geld bringt“, sagt Richard Jähnke, der sich beim German Pharma Health Fund um das Thema Arzneimittelsicherheit kümmert. Wenn staatliche Strukturen nicht funktionierten, würde der private Markt eingreifen – mit allen Konsequenzen.Nur wenige Mittel stehen bisher im Kampf gegen die Fälschungen zur Verfügung. Eines davon sind die Kompaktlabore des German Pharma Health Fund, genannt Minilabs. In zwei Koffern verbirgt sich ein komplettes Labor, nicht schwerer als 40 Kilogramm. Damit können Mediziner weltweit auch in entlegenen Gebieten Arzneien auf ihre Wirkung überprüfen. 180 Minilabs in 40 Ländern dieser Erde sind bereits im Einsatz. 60 weitere gehen im kommenden Jahr nach Südostasien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%