Inco ist begehrtes Übernahmeobjekt
Heiß umworben

Es könnte der Schicksalstag werden für Inco: Heute endet die Frist, in der die Anteilseigner des kanadischen Nickel-Produzenten das Übernahmeangebot des heimischen Konkurrenten Teck Cominco annehmen können. Teck wähnte sich schon am Ziel, als Ende vergangener Woche Brasiliens CVRD doch noch ein Gegengebot vorlegte. Die Tage von Inco als eigenständiges kanadisches Rohstoffunternehmen scheinen jedenfalls gezählt.

OTTAWA. Für Orest Wowkodaw, Analyst bei Canaccord Capital, ist Inco „das hübscheste Mädchen beim Tanz“, womit er den Fusionstanz meint, der seit Herbst vergangenen Jahres in Kanadas Rohstoffindustrie geboten wird. Sein Kollege Ian Howard von der National Financial Group sieht es ähnlich, aber mit einem anderen Akzent: „Inco ist das einzige Mädchen. Andere Tanzpartner sind nicht zu sehen.“

Einig sind sich die Analysten in ihrer Einschätzung: Inco ist mit einem Anteil von rund 17 Prozent am globalen Nickelmarkt das einzige Unternehmen, durch dessen Übernahme der Käufer eine marktbeherrschende Position bekommen könnte. Nur die russische Norilsk hat noch einen größeren Marktanteil.

Den Übernahmekampf in Kanadas Bergbaubranche hat Inco selbst losgetreten: Konzernchef Scott Hand kündigte im Herbst 2005 an, er wolle den kanadischen Konkurrenten Falconbridge übernehmen. Um nicht Opfer eines feindlichen Übernahmeangebotes von Teck für beide kanadischen Unternehmen zu werden, strebte Hand später eine Dreier-Fusion zusammen mit dem US-Konzern Phelps Dodge an, der auch ein Gebot vorgelegt hat. Doch die Aktionäre von Falconbridge spielten nicht mit – sie nahmen am vergangenen Montag lieber ein Gebot des Schweizer Rohstoff-Riesen Xstrata an.

Damit ist aus dem potenziellen Käufer Inco ein äußerst attraktives Übernahmeziel geworden. Denn die weltweite Nachfrage nach Nickel, das wegen seiner Resistenz gegen Sauerstoff und Wasser bei der Herstellung von rostfreiem Stahl benötigt wird, ist stark gestiegen. Analysten schätzen, dass die Welt in diesem Jahr 1,35 Millionen Tonnen Nickel verbrauchen wird; Inco erwartet, dass die Nachfrage das Angebot um 30 000 Tonnen übersteigt. Der Nickelpreis ist stark gestiegen: 2005 verkaufte Inco 246 280 Tonnen Nickel, etwas weniger als im Jahr zuvor, erzielte aber mit einem Durchschnittspreis von 14 842 Dollar pro Tonne einen Nettoverkaufserlös von 3,6 Mrd. Dollar, 150 Mill. Dollar mehr als 2004. Als Inco Mitte Juli den Bericht für das zweite Quartal 2006 vorlegte, hatte der Preis an der Londoner Metall-Börse den Rekordwert von 29 850 Dollar pro Tonne erreicht.

Da weckt der Konzern aus Toronto mit seinen „Weltklasse-Ressourcen“ (Inco-Chef Scott Hand) und großen Reserven Begehrlichkeiten. Analyst Wowkodaw fasst die Vorzüge so zusammen: „Die besten Ressourcen, langfristige Perspektiven, niedrige Kosten und beträchtliches Wachstum.“

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