Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit hat sich ein indisches Unternehmen einen europäischen Stahlkonzern gesichert. Tata Steel hat in einer Auktion den Zuschlag für den niederländisch-britischen Konkurrenten Corus erhalten, die Nummer zwei in Europa. Der Preis für die Übernahme ist aber immens.
HB/dih LONDON. Die Inder hätten den brasilianischen Interessenten Companhia Siderurgica Nacional (CSN) überboten, teilte die britische Regulierungsbehörde nach einer Auktion am Mittwoch mit. Der Preis liegt bei umgerechnet 8,7 Mrd. Euro. Nehmen die Corus-Aktionäre die Offerte an, steigt Tata Steel in der Weltrangliste der Stahlhersteller von „ferner liefen“ auf Platz 5 auf.
Tata wolle pro Aktie 608 Pence in bar oder insgesamt 5,75 Mrd. Pfund zahlen – 8 Pence pro Aktie mehr als Analysten dem Unternehmen zugetraut hatten. Das letzte Gebot der CSN habe lediglich 603 Pence je Anteilsschein betragen, hieß es. Corus-Aktien hatten den Handel am Dienstag in London bei 563 Pence beendet. Das Corus-Management empfiehlt die Annahme des Angebots.
Die Tata-Aktionäre reagierten negativ auf die Nachricht aus London. An der Börse in Mumbai fiel der Kurs zeitweise um 8,7 Prozent. Analysten erklärten, der zugesagte Preis für Corus sei sehr hoch. Die Fusion könnte Tatas Finanzen mindestens kurzfristig belasten.
Geheime Auktion
Das Aufsichtsgremium Takeover Panel, das Fusionen und Übernahmen unter Beteiligung britischer Aktiengesellschaften reguliert, hatte angekündigt, am Dienstag ab 17.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit eine Auktion abzuhalten, wenn bis dahin keiner der Bieter zurückgezogen hätte. Wer nach bis zu neun schnellen Runden hinter verschlossenen Türen das höchste Angebot vorgelegt hat, sollte Corus kaufen dürfen. Tata Steel hat gewonnen. Die Europäische Kommission hatte den Übernahmeplänen bereits im Dezember grünes Licht gegeben.
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CSN und Tata sind vor allem deshalb an Corus interessiert, weil sie ihre Position in dem sich konsolidierenden Stahlmarkt stärken wollen. Zuletzt hatte die Fusion der indisch-stämmigen Mittal Steel mit dem französisch dominierten Stahlkonzern Arcelor für Furore gesorgt. Das Unternehmen ist mit Abstand die Nummer eins im Weltmarkt.
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Tata Steel steigert Profit
Tata Steel hatte nur Stunden vor dem Endspurt im Kampf um Corus einen Gewinnsprung berichtet. Das indische Unternehmen teilte am Dienstag mit, dass es den Reingewinn im abgelaufenen Quartal um 41 Prozent auf 10,6 Mrd. Rupien (186 Mill. Euro) gesteigert hat. Tata Steel enttäuschte dennoch die Märkte. Analysten hatten ein stärkeres Gewinnwachstum erwartet. Der Hauptkonkurrent, die staatliche Steel Authority of India, hatte im Quartal zum 31. Dezember ihren Gewinn mehr als verdoppelt. Die Stahlproduktion stieg bei Tata im Quartal um 11 Prozent auf 1,23 Mill. Tonnen. Bis zum Geschäftsjahr 2008/09 will Tata den Stahlausstoß auf 7 Mill. Tonnen gesteigert haben. Innerhalb von 10 bis 15 Jahren soll er sich dann auf 35 Mill. Tonnen verfünffachen. Eine Übernahme des britisch-niederländischen Herstellers Corus mit einer Jahresproduktion von 18 Mill. Tonnen würde dieses Ziel erheblich schneller in greifbare Nähe rücken.Die Brasilianer haben schon neue Pläne
CSN hatte schon 2002 eine Fusion mit Corus vereinbart, doch ein zyklischer Abschwung der Branche brachte den Plan zum Scheitern. Auch andere Pläne des Firmenchefs Benjamin Steinbruch für Übernahmen in den USA oder Partnerschaften mit europäischen Stahlkonzernen sind in den vergangenen Jahren gescheitert. Entsprechend entschlossen grätschte CSN dazwischen, als die Corus-Führung im Oktober einer Übernahme durch Tata zustimmte. Im Dezember schwenkte die Corus-Führung dann um und empfahl den Aktionären, das höhere CSN-Angebot anzunehmen.Doch CSN hat auch alternative Pläne, wie sich am Dienstag zeigte. Der Konzern bestätigte, dass er sich möglicherweise an der Versteigerung einer Mehrheit an dem kolumbianischen Stahlproduzenten Acerias Paz del Rio beteiligen werde. Als weitere Interessenten gelten Arcelor Mittal, die argentinische Techint und Stahlfirmen aus Indien und Mexiko. Das Mindestangebot für die zum Verkauf stehenden 51,9 Prozent beträgt 189 Mill. Dollar.

