Inder greifen nach Europas Stahlkochern
Heiße Eisen

Die geplante Fusion zwischen der niederländisch-britischen Corus-Gruppe und dem zweitgrößten indischen Stahlhersteller Tata hat die Übernahmespekulationen in der Branche neu entfacht.

DÜSSELDORF. Stahlaktien verbuchten am Mittwoch überdurchschnittlich hohe Kursgewinne. Die Aktie des größten deutschen Stahlproduzenten Thyssen-Krupp verbesserte sich um 1,7 Prozent, der Kurs der deutschen Nummer zwei, Salzgitter, verteuerte sich um 2,9 Prozent. Auch Branchenprimus Mittal Steel lag gut ein Prozent im Plus.

Branchenbeobachter sehen in den von beiden Seiten als freundschaftlich bezeichneten Fusionsgesprächen zwischen Tata Steel und Corus einen Beleg dafür, dass das Konsolidierungstempo in der stark zersplitterten Stahlbranche wieder zunimmt. Zwar haben die Inder bislang noch kein bindendes Übernahmeangebot für Corus vorgelegt. Britische Medien berichteten jedoch am Donnerstag, der Verwaltungsrat von Corus habe eine Übernahme durch Tata befürwortet. Offiziell gab es dafür aber keine Bestätigung. Aus Verhandlungskreisen war zuvor bereits verlautet, das Geschäft könne möglicherweise schon zum Wochenende formell beschlossen sein. Tata hatte am Dienstag signalisiert, Corus für sechs Mrd. Euro in bar zu übernehmen. Zudem müssten die Inder noch Schulden und Pensionsverpflichtungen in Höhe von zwei Mrd. Euro übernehmen. Mit einem Transaktionswert von acht Mrd. Euro wäre der Zusammenschluss der größte in der Branche seit der Fusion von Weltmarktführer Mittal Steel und Arcelor Ende Juni.

Einzig Arcelor-Mittal hat bereits die erforderliche kritische Größe erreicht, um auf Augenhöhe mit den mächtigen Rohstoff-Konglomeraten auf der Seite der Zulieferer und den großen Automobilherstellern auf der Kundenseite verhandeln zu können. Mittal hatte den größten europäischen Konkurrenten Arcelor Ende Juni für 30 Mrd. Euro übernommen. Mit einem weltweiten Marktanteil von gut zehn Prozent und einem voraussichtlichen Ausstoß von 120 Millionen Tonnen Rohstahl in diesem Jahr ist der Branchenprimus viermal so groß wie der nächste Konkurrent.

Mit Mittal und Arcelor haben ausgerechnet die beiden Stahlkonzerne fusioniert, die bereits in den vergangenen Jahren das Konsolidierungstempo in der Branche vorangetrieben hatten. „Für viele Stahlunternehmen wächst deshalb der Druck, sich ebenfalls zusammenzuschließen“, sagt Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf. Denn verglichen mit den Rohstoffgiganten CVRD aus Brasilien sowie Rio Tinto und BHP aus Australien sind die meisten Stahlhersteller Winzlinge.

Die drei Konzerne kontrollieren drei Viertel des weltweiten Erzhandels. Auch die drei größten Anbieter aus der Automobilindustrie, General Motors, Ford und Daimler-Chrysler, kommen auf einen Marktanteil von 38 Prozent. Die drei größten Stahlproduzenten Arcelor-Mittal, Nippon Steel und Posco aus Südkorea müssen sich dagegen mit nur knapp 15 Prozent Weltmarktanteil begnügen.

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