Indien
Kein Strom wegen eines Bruderstreits

Der Streit zwischen den Brüdern begann im Jahr 2002, als der Vater starb, ohne ein Testament zu hinterlassen. Drei Jahre später teilten die Brüder den Riesenkonzern unter sich auf. Heute befehden sich die beiden reichsten Inder, Anil und Mukesh Ambani. Der Zwist geht mittlerweile so weit, dass das Wachstum des Landes darunter leidet.

NEU-DELHI. Wer in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi lebt, muss sich mit einigen Unannehmlichkeiten abfinden. So kommt es etwa vor, dass im Sommer in der größten Hitze schon mal der Strom für acht Stunden abgestellt wird. Die Temperaturen steigen auf 45 Grad Celsius, aber Klimaanlagen und Ventilatoren stehen still. Dafür verantwortlich ist nicht zuletzt der Streit zwischen den beiden reichsten Einwohnern des Landes, Mukesh Ambani und seinem Bruder Anil.

Die beiden Multimilliardäre sind über ihre zahlreichen Unternehmen in Branchen wie Textilfasern, Petrochemie, Öl und Gas (Mukesh), beziehungsweise Stromversorgung, Telekom, Finanzdienstleistungen und Entertainment (Anil) breit aufgestellt. Ihr Zwist nahm seinen Anfang im Juli 2002, als ihr Vater Dhirubhai Ambani starb, ohne ein Testament zu hinterlassen. Mukesh und Anil leiteten das von ihm aufgebaute Imperium anfangs gemeinsam, gerieten aber immer häufiger aneinander und teilten den Riesen-Konzern schließlich 2005 unter sich auf. Wer welchen Bereich erhält, wurde in Verträgen festgehalten. Garantien und gegenseitige Lieferabkommen wurden unterzeichnet.

Doch das funktioniert nicht so richtig. Ein Beispiel: Etwa 50 Kilometer östlich von Neu-Delhi führt ein Feldweg zu einem frisch bepflanzten Feld, auf dem eigentlich ein Kraftwerk stehen sollte. Außer dem Schild "Reliance Energy Generation Ltd." - das ist der Name des Stromversorgers, der Anil Ambani gehört - weist aber nichts darauf hin, dass von hier schon seit Jahren Strom in die indische Hauptstadt fließen sollte.

Der Gaskonzern von Mukesh stellt dem Versorger seines Bruders nicht das Erdgas zur Verfügung, das dieser für die Stromerzeugung benötigt. In einem Verfahren vor dem Bombay High Court setzte sich Anil vorerst mit seinen Forderungen durch. Reliance Industries, der Öl- und Gaskonzern von Mukesh, wurde dazu verurteilt, das Abkommen von 2005 zu respektieren und täglich 28 Mio. Kubikmeter Gas zu 2,34 Dollar je BTU (britische Wärmeeinheit) über 17 Jahre zu liefern. Der Streit geht jetzt vor den obersten Gerichtshof Indiens, der am 1. September darüber entscheiden wird. Sein Urteil ist endgültig.

Seite 1:

Kein Strom wegen eines Bruderstreits

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%