Indien
Reliance forciert Ausbau der Chemie

Der größte indische Industriekonzern, das Chemieunternehmen Reliance Industries, plant für die Zukunft Zukäufe, Partnerschaften und den umfangreiche Ausbau neuer Kapazitäten. Damit soll die globale Marktposition weiter gestärkt werden, denn auch für westliche Unternehmen wird Reliance immer mehr zum interessanten Partner.

FRANKFURT. Der indische Mischkonzern Reliance Industries Limited (RIL) will im Chemiegeschäft stark expandieren. Ziel sei es, auch in den kommenden Jahren um 25 bis 30 Prozent pro Jahr zu wachsen, sagte Vorstandmitglied Nikhil Meswani im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Wir setzen dabei sowohl auf eine organische als auch eine nicht-organische Expansion“, sagt Meswani. Anders als in der Vergangenheit sei man dabei auch zu Partnerschaften und Engagements bereit, in denen Reliance nicht 100 Prozent der Anteile halte.

Der größte indische Industriekonzern bietet sich damit im Prinzip als Partner für westliche Chemiekonzerne an, die nach neuen Strukturen für ihr Petrochemie- oder Kunststoffgeschäft suchen. Entsprechende Kombinationen stehen bei vielen Analysten derzeit hoch im Kurs, was vor einigen Monaten bereits Spekulationen nährte, Reliance könnte sich mit dem US-Konzern Dow in der Petrochemie verbünden. Ein entsprechendes Manöver läge insofern nahe, als sich Dow das Ziel gesetzt hat, die Kapitalbindung in der Basischemie zu reduzieren. Meswani wollte sich zu solchen Spekulationen nicht äußern.

Mit einem Chemieumsatz von umgerechnet knapp zwölf Mrd. US-Dollar im vergangenen Geschäftsjahr (31.03.) gehört Reliance schon heute zu den 25 führenden Chemieherstellern der Welt. Hauptprodukte sind petrochemische Basisprodukte und -kunststoffe wie Polyethylen und Polypropylen. Ferner hat der Konzern in den vergangenen Jahren eine global führende Position im Bereich Polyester aufgebaut, unter anderem durch die Übernahme der früheren Hoechst-Tochterfirma Trevira im Jahr 2004. Polyesterprodukte werden unter anderem für die Herstellung von Fasern, Folien und Getränkeflaschen genutzt. Zuletzt unterstrich Reliance seinen Expansionsdrang durch die Übernahme der Indian Petrochemical Company (IPC) sowie eines Polyester-Werks von Hualon in Malaysia.

Außerhalb Indiens ist der Konzern derzeit in 15 Ländern mit eigenen Chemiewerken präsent. Mittelfristig wolle man weltweit in 100 Ländern vertreten sein, sagte Meswani. Dabei sei man an neuem Geschäft sowohl in Europa als auch in anderen Regionen interessiert.

Im Prinzip folgt der indische Industriekonzern damit einer ähnlichen Strategie wie der saudische Chemieriese Sabic, der ausgehend von seiner starken Rohstoffbasis auf dem Heimatmarkt in den vergangenen Jahren seine globale Position durch Zukäufe ausgebaut und zuletzt die Kunststoffsparte des US-Konzerns General Electric erworben hat.

Ebenso wie Sabic forciert auch Reliance parallel zur Globalisierung den Ausbau eigener Kapazitäten im Heimatmarkt. So erweiterte der Konzern 2006 unter anderem seine Polyesterproduktion um rund ein Viertel auf zwei Mill. Tonnen. Ein weiterer großer Expansionsschritt steht mit dem geplanten Bau eines drei Mrd. Dollar teuren Petrochemie-Komplexes in Jamnager bevor, wo derzeit auch eine neue Großraffinerie entsteht. Das Chemiewerk soll 2011 mit einer Kapazität von rund zwei Mill. Tonnen Basischemikalien in Betrieb gehen. Dass Reliance dann womöglich gegen eine Reihe neuer kostengünstiger Großanlagen im arabischen Raum konkurrieren muss, betrachtet Meswani nicht als ernste Gefahr: "Das ist ein extrem wettbewerbsfähiges Projekt. Wir werden über eine ähnlich kostengünstige Produktion verfügen wie saudische Anbieter.“

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