„Indiens Mister Big“: Mukesh Ambani reitet den Tiger

„Indiens Mister Big“
Mukesh Ambani reitet den Tiger

Mukesh Ambani hat den alten, industriellen Teil des Familienimperiums Reliance geerbt, doch allmählich tritt er aus dem Schatten seines legendären Vaters. Der 49-Jährige, der in Stanford seinen MBA gemacht hat, will die Märkte durch radikale Paradigmenwechsel aufrollen und Indiens rückständigste Wirtschaftsbereiche in Goldgruben verwandeln.

HB BOMBAY. Besucher empfängt Mukesh Ambani unter einem überlebensgroßen Porträt seines Vaters. Ihm verdankt der Sprössling Indiens wertvollstes Firmenerbe – aber auch die sehr anspruchsvolle Aufgabe, Dhirubhai Ambani an der Spitze von Reliance nachzufolgen. Denn der Konzerngründer gilt als Indiens Rockefeller: Er fing als Tankwart an und schuf einen Weltkonzern.

Doch allmählich tritt der älteste Sohn aus dem Schatten des legendären Vaters. Er hat dessen Durchsetzungskraft geerbt – und dessen Mut zu Visionen, in denen Skeptiker Größenwahn ausmachen. Indiens Wirtschaftsboom lässt die Ambitionen vieler Unternehmer ins Grenzenlose wachsen, doch der 49-jährige Ambani investiert wagemutiger als die meisten. Das Magazin „Newsweek“ kürte ihn unlängst zu „Indiens Mister Big“.

Furcht vor Größe hat der medienscheue Vater dreier Kinder früh verloren: beim Umsetzen der Träume seines Vaters. In dessen Firma trat er 1980 ein, mit einem MBA aus Stanford in der Tasche. Bald managte der Kronprinz unter Aufsicht des Patriarchen alle wichtigen Projekte. Sein Meisterstück lieferte er in den 90er-Jahren ab: Von einem Baucontainer aus steuerte Mukesh den Aufbau der Raffinerie in Jamnagar, Indiens größter Industrieanlage.

„Wir rollen Märkte durch radikale Paradigmenwechsel auf“, erklärt er sein Erfolgsrezept. Jetzt will er Indiens rückständigste Wirtschaftsbereiche in Goldgruben verwandeln: Einzelhandel, Landwirtschaft und Städtebau. Moderne Technik und massiver Kapitaleinsatz versprechen dort hohe Effizienzgewinne und damit Profite. Das lockt einen Manager wie Ambani, der riskante Großprojekte termingerecht umsetzen kann. „Wir bleiben nur unserer Kernkompetenz treu“, wiegelt der Chef Kritik ab. Und fügt hinzu: „Das ist der Aufbau neuer Sparten aus dem Nichts.“

Allerdings sind nicht nur Ehrgeiz und Erfolge bei den Ambanis chronisch überdimensioniert, sondern auch Egos und Skandale. Keine Industriellenfamilie des Landes polarisiert Verehrer und Kritiker stärker, angefangen mit Dhirubhai: Für die einen war er ein Ausnahmeunternehmer, der Indiens überbürokratisierte Wirtschaftsordnung zum Tanzen brachte und nur Regeln brach, die ohnehin absurd waren. Andere sehen ihn als rücksichtslosen Manipulator des politischen Systems, der sich Regulierungsvorteile erkaufte.

Mukesh hat den väterlichen Einfluss geerbt und muss mit ähnlicher Kritik leben. Das Magazin „India Today“ kürte ihn zum mächtigsten Inder, weit vor dem Premierminister. Nach der Schlammschlacht mit seinem Bruder um das Firmenerbe bemüht er sich indes, den Konzern transparenter zu führen. Weil sich der Staat aus der Wirtschaft zurückzieht, muss er ihm weniger Schnippchen schlagen als sein Vater. Einer von dessen Lehren bleibt Ambani aber treu: „Um ein erfolgreicher Geschäftsmann zu sein, musst du dir vorstellen, einen Tiger zu reiten. Sobald du dich entspannst, wirft er dich ab.“

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