Indische Delegation will in Deutschland den Fall aufklären
Inder werfen VW-Manager Täuschung vor

Der Regierungschef des indischen Bundesstaates Andhra Pradesh hält es für erwiesen, dass die Regionalregierung von dem ehemaligen Volkswagen-Manager Helmuth Schuster betrogen worden ist.

HB HYDERABAD / FRANKFURT. Schusters Anwalt erklärte, VW habe über die Vorgänge in Indien Bescheid gewusst. „Es ist jetzt klar, dass Schuster meine Regierung getäuscht hat“, sagte Y.S. Rajasekhar Reddy dem Fernsehsender TV9. „Ich bin zuversichtlich, dass die Untersuchungen in Deutschland und durch (die indische Bundes-Ermittlungsbehörde) CBI das bestätigen wird.“ Die Regierung des Bundesstaates hatte zwei Millionen Euro in eine Firma mit dem Namen Vashishta Wahan (“VW“) investiert, die nach Schusters Angaben den Zweck hatte, ein VW-Werk in Visakhapatnam aufzubauen. Volkswagen ist eigenen Angaben zufolge an der Firma aber nicht beteiligt, das Geld ist verschwunden. Schuster war als Personalvorstand der VW-Tochter Skoda Mitte Juni zurückgetreten.

Schuster habe in einem Brief im Januar geschrieben, dass VW sich für das Projekt entschieden habe und mindestens 51 Prozent an der Fabrik halten wolle, teilte die Regierung von Andhra Pradesh mit. Der Staat sollte sich nach den Anweisungen Schusters an dem Projekt symbolisch ebenfalls mit Eigenkapital beteiligen. Daraufhin sei das Geld überwiesen worden. Am 22. Juni habe VW die Regionalregierung über Schusters Rücktritt informiert, und auch der Chefberater von VW bei dem Projekt, Ashok Jain, sei nicht mehr im Amt.

Der Industrieminister Andhra Pradeshs, Botsa Satyanarayana, war im Zuge der Affäre auf einen anderen Posten versetzt worden. Eine Delegation aus Andhra Pradesh soll in der kommenden Woche nach Deutschland reisen, um die Angelegenheit aufzuklären. Schusters Anwalt Ferdinand Gillmeister sagte dem Magazin „Der Spiegel“, VW sei über die zwei Millionen Euro informiert gewesen. Der Konzern habe sogar auf der Zahlung bestanden, mit der die Anlaufkosten des Fabrikbaus abgedeckt werden sollten. Einem Bericht des ARD-Hörfunks zufolge hat Schuster Ende Juni versucht, die zwei Millionen Euro zurück an die Regierung zu transferieren, habe das Geld aber nicht aufbringen können. Der Sender berief sich auf Berater Jain.

Dem Magazin „Spiegel“ zufolge prüft die interne Revision bei VW auch Vorwürfe, wonach eine Firma von Schuster bei der Beschäftigung von 4000 polnischen Leiharbeitern durch Skoda eine Vermittlungsprovision kassiert haben soll. Ein VW-Sprecher wollte den Bericht nicht kommentieren. „Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt, daher werden wir uns dazu nicht äußern“, sagte er. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schuster und einen entlassenen Mitarbeiter in der VW-Personalabteilung wegen des Verdachts auf Untreue und Betrug. Sie prüft ein Geflecht von mehreren Firmen um Schuster, auf deren Konten Gelder geflossen sein sollen, die VW zugestanden hätten.

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