Indischer Mischkonzern
Tata stoppt Übernahmen

Der indische Mischkonzern Tata verschiebt laut einem Zeitungsbericht sämtliche Pläne für Firmenzukäufe. Der akute Geldmangel zwinge das Unternehmen zum Umdenken. Im Gegenteil: nun kaufen sich Japaner kaufen sich in Telekomsparte Tatas ein.

TOKIO. "Einige unserer Unternehmen mit umfangreichen Auslandsgeschäften oder bedeutenden Übernahmen in letzter Zeit stehen vor großen Problemen, sich frisches Kapital oder Kreditlinien für ihre Geschäfte zu besorgen", zitierte die Tageszeitung "Hindustan Times" am Mittwoch aus einer E-Mail von Vorstandschef Ratan Tata an die Tochterunternehmen. Ein Sprecher von Tata Sons bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters den Eingang der E-Mail.

Tata war in den vergangenen Jahren von hohen Wachstumsraten verwöhnt und trat dementsprechend selbstbewusst auf. Der Mischkonzern verfügt über Tochterunternehmen in den Branchen Metall, Automobile, Telekommunikation, Software und Tourismus. Dem Bericht zufolge sollen die Gruppentöchter auch dann aus geplanten Geschäften aussteigen, wenn der Rückzug wegen höherer Zinsen teuer wird. Die 27 börsennotierten Unternehmen der Gruppe haben nach eigenen Angaben addiert eine Marktkapitalisierung von rund 60 Milliarden Dollar. Im vergangenen Jahr hatte Tata die Stahl-Firma Corus übernommen, in diesem Jahr die Automarken Jaguar und Land Rover.

Offenbar auf der Suche nach Kapitalquellen verkauft sich Tata jetzt auch ins Ausland. Der japanische Mobilfunkkonzern NTT Docomo nutzte die niedrigen Aktienkurse, um 26 Prozent von Tata Teleservice zu kaufen. Der Kaufpreis liegt immerhin bei zwei Mrd. Euro. In Indien reicht die Höhe dieser Beteiligung für Veto-Rechte auf der Hauptversammlung. Docomo will auch ein Vorstandsmitglied zu Tata Teleservices entsenden. Das Unternehmen hat knapp 30 Mill. Kunden und ist damit die Nummer sechs im indischen Markt - dem zweitgrößten Mobilfunkmarkt der Welt nach China.

Tata hat dem Docomo-Zukauf voll zugestimmt und ihn durch die Ausgabe neuer Aktien erst möglich gemacht. Das Unternehmen will in Indien mobile Internetdienste mit UMTS-Geschwindigkeit anbieten und hofft auf einen Techniktransfer von Docomo. Die japanische Wirtschaft dagegn versucht derzeit verstärkt, sich in Asien zu diversifizieren, um weniger von den USA und China abhängig zu sein.

Tata war zuletzt von der Schwäche der Autoindustrie schwer getroffen. Das Unternehmen will die Lastwagenproduktion für drei Tage wegen Nachfragemangel aussetzen. Mit Nutzfahrzeugen verdient die Tata-Gruppe am meisten Geld. Als Grund für den Absatzrückgang von 30 Prozent im Oktober (vergleichen mit dem Vorjahresmonat) gab das Unternehmen an, dass die potenziellen Abnehmer unter der Kreditklemme leiden.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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