Industrie 4.0 Firmen stellen sich dem „Internet der Dinge“

Die digitale Transformation wälzt nahezu alle Industriebereiche um. Immer mehr Unternehmen wollen von den Möglichkeiten des Internet der Dinge profitieren. In Berlin trafen nun Vertreter aus allen Branchen aufeinander.
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Bosch setzt bereits voll auf die Industrie 4.0. Mit Kuri erscheint Ende 2017 ein mit Lautsprecher, Mikrofon, Kamera und mehreren Sensoren ausgestatteter Home-Roboter. Quelle: obs
Intelligenter Assistent

Bosch setzt bereits voll auf die Industrie 4.0. Mit Kuri erscheint Ende 2017 ein mit Lautsprecher, Mikrofon, Kamera und mehreren Sensoren ausgestatteter Home-Roboter.

(Foto: obs)

BerlinDer Begriff „Internet der Dinge“ ist bereits Ende des vorigen Jahrhunderts zum ersten Mal gefallen. Heute treibt das „IoT“ (Internet of Things) nahezu alle Branchen und Industriezweige um. Wer mit der Digitalisierung nicht Schritt hält, hat wenig Chancen, auch in Zukunft zu bestehen – davon sind inzwischen fast alle Vertreter führender Industrieunternehmen in Europa überzeugt. Doch in jeder Branche gibt es spezielle Herausforderungen, wie die digitale Transformation am besten umgesetzt werden kann. In Berlin kamen in dieser Woche über 1000 Vertreter führender Industrieunternehmen in Europa zusammen, um auf der „Industry of Things World“ über die aktuellen Herausforderungen zu diskutierten.

1999 bezeichnete der britische Technologie-Forscher und Miterfinder des RFID-Chips am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT), Kevin Ashton, mit dem Begriff „IoT“ die Verbindung physischer Dinge mit einer Struktur aus virtuellen Repräsentationen. Sebastian Berg, Wissenschaftler an der RWTH Aachen, zieht dagegen das deutsche Synonym „Industrie 4.0“ vor. Während das amerikanische „Internet der Dinge“ mehr nach Produkten frage, stehe bei Industrie 4.0 die Produktion im Vordergrund.

Ob es um die Vernetzung von Fertigungsanlagen oder die Entwicklung neuer Geschäftsfelder durch digitale Serviceangebote geht – die digitale Transformation ist in vielen Unternehmen bereits deutlich fortgeschritten. Anders als noch vor zwei Jahren, als die Konferenz das erste Mal in Berlin stattfand, standen diesmal konkrete Umsetzungsszenarien und Lösungsansätze im Vordergrund.

Laut einer Umfrage unter den Konferenz-Teilnehmern wünschten sich 64 Prozent der Unternehmen, die Effizienz der Betriebs- und Produktionsprozesse zu verbessern, sagte Nigel Upton, Manager bei Hewlett Packard Enterprise. Die Entwicklung neuer Services für ihre Kunden erhoffen sich 49 Prozent, steigende Flexibilität 48 Prozent. 43 Prozent der Befragten hätten nach eigenen Angaben ihre Ziele in den vergangenen 12 Monaten allerdings nicht erreicht, 41 Prozent waren mit den Ergebnissen zufrieden.

Datenstaus und Forschungslücken
Industrie 4.0
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Der chinesische Telekommunikationsausrüster Huawei und das Handelsblatt haben zum Dialog ins „Hotel de Rome“ nach Berlin geladen. Das Thema: Die Industrie 4.0 im internationalen Vergleich. Obwohl Deutschland einen starken Industriesektor vorweisen kann, hinkt Europas größte Volkswirtschaft in Sachen Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) gegenüber anderen Staaten hinterher.

Großer Andrang
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Die Einladung nahmen zahlreiche Handelsblatt-Leser gerne an.

Im Dialog
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Das Thema regte zu intensiven Diskussionen an.

Handelsblatt Research Institut
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Dirk Heilmann, Leiter des Handelsblatt Research Instituts, stellte auf der Veranstaltung die Studie „Industrie 4.0 im internationalen Vergleich“ vor. Der Technologiekonzern Huawei hatte sie in Auftrag gegeben. Im Detail haben die Forscher die Wettbewerbsfähigkeit in Sachen Digitalisierung der industriellen Fertigung (Industrie 4.0) diverser Staaten miteinander verglichen. Darunter Deutschland, China, Japan und die USA. „Kein Industriesektor ist so stark wie der deutsche, wenn es darum geht, durch permanente kleine Innovationen technologisch führend zu bleiben. Dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass Deutschland auch bei Industrie 4.0 die Führungsposition einnehmen wird. Die Studie zeigt, dass es noch in einigen Bereichen Nachholbedarf gibt“, sagte Heilmann.

Huawei Europe
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Victor Zhang, President for European Public Affairs and Communication von Huawei Europe erklärte: „Die Studie bestätigt die Vorteile einer engen Kooperation zwischen Deutschland und China. Deutschland kann von der Kompetenz chinesischer Unternehmen im Bereich IKT-Hardware profitieren, während die Dienstleistungskompetenz des deutschen IKT-Sektors für China einen Gewinn darstellt.“ Seiner Meinung nach würde eine internationale Vernetzung und gemeinsame Standards die Wettbewerbsfähigkeit beider Länder stärken.

Matthias Machnig
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Zu Gast war auch Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Er wies darauf hin, wie wichtig internationale Kooperationen in Sachen „Industrie 4.0“ seien, damit deutsche Unternehmen ihren Zugang zu größeren Absatzmärkten sichern könnten. Die neue Studie zeige Maßnahmen auf, wie Deutschland seine führende Position in diesem Bereich ausbauen und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken könne. Als positives Beispiel nannte er die Kooperation zwischen Huawei und SAP im Bereich Industrie 4.0.

Diskussion
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Im Anschluss diskutierten (v.l.n.r.): Dirk Heilmann, Leiter des Handelsblatt Research Instituts, Dominik Bösl, Corporate Innovation Manager bei Technology Owner „Apps, Cloud & IoT”, Matthias Machnig, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Ina Karabasz, Handelsblatt-Redakteurin im Ressort Unternehmen und Märkte, Daniel Senff, stellvertretender Leiter der Plattform Industrie 4.0 und Torsten Küpper, Vice President Corporate & Public Affairs bei Huawei Technologies Deutschland.

Volkswagen etwa will sich zu einem Unternehmen wandeln, das seine Stärken nicht nur bei Hardware, sondern auch bei Software und im Service bieten will. Die Branche stehe vor großen Herausforderungen, sagte Michaela Colla, die das Thema bei dem Automobilkonzern verantwortet. Bereits im Zeitraum 2020 bis 2025 werde es selbstfahrende Autos geben. Zugleich werde die Mobilität durch Konzepte der „shared economy“ selbst neu erfunden, bei der Kosum- und Investitionsgüter nicht mehr unbedingt gekauft, sondern bei Bedarf ausgeliehen oder geteilt werden. „Wir wollen die digitale Transformation erfolgreich hinbekommen“, sagte Colla.

Der größte Vorteil des Internet der Dinge sei die Erfassung und Analyse von Daten in Echtzeit, erklärte Ashton. Das ermögliche eine Vielzahl neuer Services. Als erfolgreiches Beispiel nannte Ashton die traditionsreiche Heidelberger Druckmaschinen AG, die schon frühzeitig auf das Internet der Dinge gesetzt habe. Darüber werden die komplexen Maschinen überwacht, um drohenden Ausfällen rechtzeitig vorzubeugen. Mit Fernwartungs-Services biete das Unternehmen seinen Kunden einen wichtigen Zusatznutzen.

Doch nicht alles, was möglich – und mit dem Internet verbunden – ist, ist auch tatsächlich hilfreich, betonte Ashton. Manchmal steckt dahinter auch nur heiße Luft. Das habe sich etwa bei dem rund 600 Dollar teuren Entsafter gezeigt, mit dem das kalifornische Start-up Juicero zunächst ihre Investoren begeistert hatte. Das Gerät arbeitet nur, wenn es mit dem Internet verbunden ist. Der kleine Haken: Der Saft stammt aus Tüten mit Fruchtschnipseln, die die Firma für rund 8 Dollar vertrieb – und die eigentlich per Hand viel besser auszupressen waren. Anfang des Monats gab Juicero schließlich auf.

In vielen Konzepten liege meist der Schwerpunkt eindeutig auf neue Technologien, sagte Domonkos Gaspar vom Autozulieferer Autoneum. Doch wie steht es darum, die Mitarbeiter bei der Entwicklung mitzunehmen? Die anstehenden Herausforderungen bestünden zu 20 Prozent aus Technologie, aber zu 80 Prozent aus der Frage, wie die Mitarbeiter und Organisationen von der digitalen Transformation überzeugt werden könnten. „Auf der Seite der Mitarbeiter ist noch eine Menge zu tun.“ Echten Erfolg gebe es erst, wenn das Potenzial sowohl der Technologie als auch der Mitarbeiter verbessert werde.

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  • dpa
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