Industrie baut verstärkt wieder Kleinwagen
Das Stadtauto feiert seine Neuentdeckung

Sinkende Einkommen, teurer Sprit, überfüllte Innenstädte – Kleinwagen sind wieder im Kommen. Hatte die Autoindustrie jahrelang auf immer größere und teurere Karossen gesetzt, so überbieten sich die Hersteller neuerdings darin, klein und sparsam zu konstruieren.

fas/hof DÜSSELDORF. Eine ganze Palette preisgünstiger Autos rollt zur Zeit auf den Markt. Das wird die Absatzkrise auch hier zu Lande zwar nicht beenden, denn der billige Neue steht in erster Linie in Konkurrenz zum Gebrauchten. Einen generellen Trend zum Kleinwagen erwarten Experten daher nicht. Christoph Stürmer vom Marktforschungsunternehmen Global Insight: „Was wir sehen ist lediglich, dass sich die Autohersteller auf ein Segment besinnen, das lange Zeit vernachlässigt worden war.“ Und auch Ulrich Winzen vom Marktforscher Polk sieht vor allem den Nachholbedarf. „Die Hersteller haben über Jahre ihre Palette stets nach oben erweitert. Das passt nicht mehr in die momentane Wirtschaftslage.“

Autos wie der neue Fiat Panda oder der Kia Picanto haben die Renaissance der praktischen Kleinen eingeläutet. Die Drillinge Peugeot 107, Citroen C1 oder der Toyota Ay-go, die in einem gemeinsamen Werk in Tschechien gebaut werden, und jetzt auch der VW Fox als preiswerter und sogar größerer Nachfolger des VW Lupo bringen frischen Wind in das Segment. Wie man richtig Geld verdient, zeigt das Beispiel Mini. Die britische Kleinwagentochter von BMW verkauft ihre Kultflitzer zum Durchschnittspreis von 22 000 Euro. Soviel Freude hätte Daimler-Chrysler wohl auch gerne an seiner Kleinwagentochter Smart, an der die Stuttgarter trotz hoher Verluste weiter festhalten wollen.

Einen anderen Weg geht Renault. Die Franzosen werfen für 8000 Euro den von der rumänischen Tochter Dacia gebauten Logan ins Rennen. Am Platz haben die Franzosen nicht gespart, der Wagen ist so groß wie ein alter VW Jetta. Doch die Bremsen schnitten in Vergleichstests denkbar schlecht ab, ein Umstand, der vor allem auf dem deutschen Markt ein Verkaufshindernis werden könnte, wo nach Meinung von Experten nicht an Sicherheit gespart werden darf, wenn man Autos verkaufen will.

Doch der Logan wurde ursprünglich auch nicht für hohe europäische Standards konzipiert, sondern für Schwellenländer. Das gilt zwar auch für den aus Brasilien stammenden Fox von Volkswagen. Doch anders als der Renault-Import wurde dieser auf europäischen Standard gebracht, „was ich für den Logan so nicht unterschreiben würde“, urteilt Polk-Experte Winzen.

Ihre Kunden werden die Billigen vor allem bei bisherigen Gebraucht-wagen-Käufern finden, glauben Experten. Aber auch aus dem nächst höheren Segment, in dem sich Peugeot 206, Renault Clio, Fiat Punto, Ford Fiesta, Opel Corsa oder VW Polo bereits ein Stück von fast einem Viertel des deutschen Markts abgeschnitten haben, werden Kunden sicherlich abgeworben.

Die Frage wird sein, ob die Autokäufer bereit sind, „auf Komfort wie beispielsweise Servolenkung zu verzichten“, fragt Winzen. Zumindest die bisherige Einkaufspraxis, dass in den wenigsten Fällen die schlecht ausgestattete Basisversion von Autos gekauft wurden, spricht dagegen.

Das zusätzliche Angebot an preisgünstigen Kleinwagen wird nach Expertenmeinung zwar die Verkäufe in den unteren Segmenten ankurbeln. Als Rettungsanker für die Autokonjunktur taugen sie nicht. Dennoch traut Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte der Fachhochschule Gelsenkirchen, dem Kleinstwagensegment immerhin zu, 2007 wieder einen Anteil von sieben Prozent und damit den Wert von 2000 zu erreichen. Gemeinsam mit dem Polo-Segment könnte der Marktanteil sogar von etwa 23 Prozent 2004 auf 26,3 Prozent in zwei Jahren steigen.

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