Direkt betroffen – auch von der Entwicklung am Spotmarkt – sind Unternehmen mit eigenen Handelsabteilungen, die am Großhandel teilnehmen. Sie müssen auch tageweise Strommengen zukaufen, um ihren Bedarf punktgenau zu decken. Das seien allerdings nur kleine Mengen, sagt Verbandschef Richmann. „Das schmerzt zwar, problematischer ist aber, dass die Entwicklung auf den Terminmarkt durchschlägt.“ Faktoren, die den drastischen Anstieg erklären könnten, sieht Richmann nicht.
Selbst den Versorgern fällt es schwer, die Entwicklung zu begründen. „Im Winter gibt es immer tendenziell höhere Preise“, sagt eine Sprecherin der Handelstochter von Vattenfall Europe. Dies habe dem ohnehin hohen Niveau einen zusätzlichen Schub gegeben. In Deutschland seien zudem drei Kernkraftwerke vom Netz gegangen – zum Teil außerplanmäßig. Hinzu seien Kraftwerksausfälle in Frankreich, der Kälteeinbruch sowie der Ausfall von Wind- und Wasserkraft gekommen.
Nicht als Begründung taugt der Emissionshandel. Die Preise für Zertifikate, die die Versorger beim Ausstoß von Kohlendioxid benötigen, waren in den ersten Monaten deutlich gestiegen und wurden von den Kraftwerksbetreibern für den Anstieg der Stromgroßhandelspreise angeführt. Seit Monaten bewegen sie sich aber auf einem stabilen Niveau.
Für Richmann ist der Fall klar: „Es zeigt sich erneut die Marktmacht der Versorger.“ Die vier großen Versorger Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg (EnBW) kontrollieren 80 Prozent der Kraftwerkskapazitäten. Er könne nicht verstehen, warum sie drei Kernkraftwerke vom Netz nehmen, nicht für Ausgleich sorgen und so das Angebot verknappten, sagt Richmann. „Es nützt nichts, dass wir viele Händler haben, wir benötigen mehr Anbieter.“

