Industrie drängt auf Eingreifen des Regulierers
Wirtschaft fordert stärkere Kontrolle von Ökostrom

Bei Energiehändlern und Stromkunden wächst der Unmut über Belastungen durch die gesetzliche Förderung von Ökostrom. Neben der Gesamthöhe der vom Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorgegebenen Subventionen für Strom aus Windkraft oder Biomasse gerät dabei das Verfahren in die Kritik, nach dem die Förderung zwischen den Betreibern der Leitungsnetze und deren Kunden abgerechnet wird.

HB BERLIN. „Das Verfahren ist intransparent und behindert Wettbewerb“, sagte Jürgen Putz, Vorstandsmitglied des Stromhandelsunternehmens Ensys AG in Frankfurt. Ähnliche Vorbehalte bringt der Verband der industriellen Energiekunden VIK vor.

Anlass der Kritik ist eine kürzlich revidierte Prognose des Verbands der Netzbetreiber (VDN) darüber, welche Menge an Ökostrom im laufenden Jahr ins Netz eingespeist wird. Der für 2005 erwartete Anteil an der Gesamtstrommenge hat sich danach von 9,44 auf 10,14 Prozent erhöht. Bereits die Prognose schlägt sich für Händler und deren Firmenkunden kurzfristig in Kostensteigerungen nieder. Sie gibt vor, welche Ökostrommenge sie zwingend zu einem festen Durchschnittspreis abnehmen müssen. „Bezogen auf Endkunden hat sich allein dadurch die EEG-Umlage um zwölf Prozent auf 0,61 Cent pro Kilowattstunde erhöht“, rechnete Putz vor. Das Gesamtvolumen der Ökostromvergütungen belief sich 2004 auf 3,35 Mrd. Euro.

Nötig ist das komplizierte Prognoseverfahren, weil nach dem EEG zunächst die einzelnen Netzbetreiber die gesetzliche Einspeisevergütung von etwa neun Cent je Kilowattstunde Windstrom an die Windkraftbetreiber zahlen müssen. Im Gegenzug, so das Modell, holen sie sich das Geld auf Basis einer Durchschnittskalkulation in Form der EEG-Umlage von den Stromkunden zurück. Erweisen sich Prognosen als zu hoch, werden die realen Kosten bisher erst mit oft mehrjähriger Verspätung genau abgerechnet. Habe der Kunde seine Bezugsquellen zwischenzeitlich gewechselt, kämen spätere Rückvergütungen gar nicht mehr bei ihm an, kritisierte Putz. Andere Kritiker sprechen hinter vorgehaltener Hand gar von einer Art Zusatzkasse der Netzbetreiber, die sich staatlicher Aufsicht entziehe.

Der VDN weist die Kritik zurück. „Wir nehmen eine Aufgabe wahr, die uns durch das Gesetz übertragen ist“, sagte Geschäftsführer Konstantin Staschus. „Unser Ziel ist Transparenz für alle Beteiligten“. Zudem gingen mögliche Prognose-Korrekturen nicht immer zu Lasten der Stromkunden. Beispielsweise habe der VDN im heißen, windarmen Sommer 2003 seine Ökostromprognose kurzfristig deutlich reduziert und damit umgehend für Entlastungen gesorgt.

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