Industrie
Evonik verkauft Ruße-Sparte an Rhone Capital

Für rund 900 Millionen Euro übernimmt der Finanzinvestor Rhone Capital die Industrieruße-Sparte "Carbon Black" von Evonik. Der Industriekonzern aus Essen möchte sein Profil als Spezialchemieunternehmen schärfen.
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FrankfurtDer Chemiekonzern Evonik hat seine Industrieruße-Sparte nach wochenlangen Verhandlungen an den Finanzinvestor Rhone Capital verkauft. Den Transaktionswert für das Carbon Black-Geschäft bezifferte der Essener Konzern einschließlich zu übernehmender Verpflichtungen auf mehr als 900 Millionen Euro. Evonik-Chef Klaus Engel kommt damit seinem Ziel näher, den einstigen Mischkonzern zu einem Spezialchemieanbieter umzubauen und diesen dann womöglich noch 2011 an die Börse zu bringen.

Angesichts des geplanten Börsengangs sei der Verkauf "ein weiterer bedeutsamer Schritt, um das Profil von Evonik als ein weltweit führendes Spezialchemieunternehmen zu schärfen", erklärte Engel am Sonntag. Entsprechende Verträge seien am Samstag, und damit rund ein halbes Jahr nachdem Evonik sein Geschäft mit Industrierußen zum Verkauf gestellt hatte, unterzeichnet worden.

Etwa 1.650 Mitarbeiter bei Carbon Black

Der von New York, London und Paris aus agierende Finanzinvestor Rhone Capital hatte sich zuletzt ein Kopf-an-Kopf Rennen mit Triton Advisers geliefert. Der Abschluss des Verkaufs steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrates von Evonik sowie der zuständigen Kartellbehörden. Er wird im Sommer erwartet.

Die Industrieruße-Gruppe mit rund 1.650 Mitarbeitern, davon etwa 500 in Deutschland, setzte 2010 etwa 1,2 Milliarden Euro um. Im operativen Geschäft habe sich der Gewinn (Ebitda) auf etwa 150 Millionen Euro belaufen, sagte eine mit der Transaktion vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

Branche ist in Bewegung

Damit liege der Kaufpreis mit einem 6fachen Ebitda etwas über dem Branchenschnitt, merkte er an. Industrieruße werden in der Reifen- und Gummiindustrie sowie als Pigmentruß für die Verwendung unter anderem in Lacken, Kunststoffen, Druckfarben und Tonern eingesetzt. Die Branche wird derzeit neu durchmischt. Anfang des Jahres hatte der indische Konzern Aditya Birla die US-Firma Columbian Chemicals, die weltweiten Nummer Drei, für 875 Millionen Dollar übernommen.

Evonik drängt an die Börse

Evonik-Chef Engel richtet seit Monaten den einstigen Mischkonzern auf das Chemiegeschäft um die ehemalige Degussa aus. Dazu hatte sich Evonik Ende 2010 von der Mehrheit an seinem Energiegeschäft getrennt. Anteile des Immobiliengeschäfts, das derzeit neu aufgestellt wird, könnten ab 2013 abgegeben werden, hatte der Manager jüngst gesagt.

Engel will Evonik fit für einen milliardenschweren Börsengang machen. Erst vor wenigen Tagen hatte sich das mächtige Kuratorium der RAG-Stiftung hinter Pläne gestellt, den Sprung auf das Börsenparkett innerhalb der nächsten 15 Monate vorzubereiten. Im Herbst soll dann entschieden werden, ob ein Börsengang sogar noch 2011 möglich ist.

Stiftung hält Mehrheit an dem Essener Konzern

Die RAG-Stiftung, unter deren Dach der subventionierte deutsche Steinkohlebergbau gebündelt ist, hält knapp 75 Prozent der Evonik-Anteile. Sie soll für künftige Lasten aus dem Bergbau gerade stehen und diese etwa aus Evonik-Dividendenzahlungen oder Anteilsverkäufen finanzieren. Die restlichen 25,01 Prozent liegen beim Finanzinvestor CVC, der 2008 rund 2,4 Milliarden Euro dafür gezahlt hatte.

Angesichts der zuletzt starken Geschäftsentwicklung dürfte der gesamte Konzern bei einem Börsengang wohl deutlich mehr als zehn Milliarden Euro wert sein. So legte der Umsatz 2010 vor allem durch rasantes Wachstum der Chemiesparte um 26 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro zu, der Konzerngewinn schoss auf 734 (Vorjahr: 240) Millionen Euro in die Höhe.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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