Industrie
Kunstrasen: Plastikhalme auf Siegeszug

Für die Nationalelf ist es ein Novum, im Fußballalltag ist der Kunstrasen aber längst angekommen. Das künstliche Geläuf liegt im Trend, deshalb sehen die Produzenten optimistisch in die Zukunft: Der Markt wächst, die Auftragslage bleibt stabil. Vor allem Hartplätze werden in Deutschland zu neuen Kunstrasenflächen umgebaut.

DÜSSELDORF. Die deutschen Weltmeister von 1954 hätten vermutlich verdutzt aus ihren Trikots geschaut, wären sie heute, über 50 Jahre nach ihrem historischen Erfolg, noch ein Mal in das Wankdorfstadion eingelaufen. Statt des saftig grünen Rasens, auf dem die Helden von Bern den WM-Sieg gegen Ungarn erkämpften, liegt an der Stätte ihres Triumphs jetzt ein ebenso saftig grüner Plastikteppich. Ein Teppich, ähnlich dem, der im Moskauer Luschniki-Stadion ausgerollt ist, wo die Mannschaft von Bundestrainer Jogi Löw am Samstag zum WM-Qualifikationsspiel antritt.

Der Kick auf Kunstrasen ist zwar ein Novum für eine deutsche Nationalmannschaft. Auf heimischen Dorfplätzen, wie auch in manchen europäischen Spitzenligen ist das künstliche Geläuf schon länger auf dem Vormarsch. Die Vorteile des Kunststoffgrases zeigt eine DFB-Studie: Ein Naturrasen kann 400 bis 800 Stunden im Jahr genutzt werden, ein Hartplatz 1 000 bis 1 500 Stunden. Auf einem Kunstrasen kann dagegen zwischen 2 000 und 2 500 Stunden im Jahr der Ball rollen - ohne Regenerationszeiten. Und auch die Pflegekosten sind, so die Studie, weniger als halb so hoch, wie beim Naturrasen. Anders ist vor allem das Spielgefühl. Ein weiterer Nachteil: Profis klagen über Gelenkschmerzen und, trotz neuester Kunstgrasgeneration, schmerzhafte Grätschen auf dem synthetischen Geläuf.

Nach Schätzungen des Branchenverbandes European Synthetic Turf Organisation (Esto) liegt das Marktvolumen bereits bei einer Milliarde Euro. Generalsekretär Albert Prisse zufolge wächst der Umsatz in diesem Jahr um bis zu fünf Prozent. Gerade in Osteuropa sei noch viel Potenzial. Auch der Chemiekonzern Dow Chemical, der nach eigenen Angaben alle führenden Hersteller mit den Rohmaterialien zur Kunstrasenproduktion beliefert, verspricht sich noch viel vom künstlichen Grün. "Das Wachstum war in den letzten Jahren immens", sagt Marketing-Managerin Katja Wodjereck. Sie schätzt Wodjereck, werden pro Jahr 40 Millionen Quadratmeter der künstlichen Spielfläche hergestellt - das entspricht der Hälfte der weltweiten Produktion. Geht man von einer normalen Spielfläche von rund 7 000 Quadratmetern aus, wären das annähernd 6 000 Fußballfelder. Allein in Deutschland gibt es mehr als 3 000 Kunstrasenplätze.

Die Produzenten selbst sind optimistisch. "Der deutsche Markt hat die vergangenen Jahre geboomt", sagt Guido Reibel, Vertriebsleiter des Herstellers Desso Sports Systems. Jetzt sei man auf einem "sehr hohen Niveau" angekommen. Diesen Trend bestätigt auch der deutsche Marktführer Polytan, dessen Umsatz bei 110 Millionen Euro liegt. 70 Prozent davon erwirtschaftet das Unternehmen mit Kunstrasen. "Die Aufträge gehen ungebrochen ein", sagt Marketingleiter Friedemann Söll.

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