Industrie-Präsident
„Ich hoffe, dass Stuttgart 21 nicht zu Fall kommt“

Hans-Eberhard Koch, Präsident des Landesverbandes der baden-württembergischen Industrie, plädiert nach dem Regierungswechsel für ein Vorgehen mit Augenmaß beim Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 und in der Atompolitik.
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Handelsblatt Online: Herr Koch, was sagen Sie zum Machtwechsel im Südwesten?
Hans-Eberhard Koch: Das ist eine demokratische Entscheidung. Wir bedauern das brachiale Scheitern der schwarz-gelben Landesregierung, weil sie für die Wirtschaft immer ein sehr gutes Klima geschaffen hat. Ich gehe davon aus, dass jetzt Grüne und SPD eine Koalition bilden werden. Wir als Landesverband der baden-württembergischen Industrie haben uns schon immer mit allen demokratischen Parteien ausgetauscht. Auch mit den Spitzenkandidaten der Grünen und der SPD kann man sprechen. Wir wollen den Dialog fortsetzen, damit der Standortvorteil in Baden-Württemberg erhalten bleibt.

Was ist dafür notwendig?
Sehr wichtig sind solide Finanzen. Deshalb muss der Konsolidierungskurs beibehalten werden. Auch Hochschulen und Verkehrswege müssen weiter ausgebaut werden.

Was wird aus dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21?
Ich hoffe, dass Stuttgart 21 nicht zu Fall kommt. Die Wirtschaft und speziell die Industrie im Land wollen, dass das Projekt realisiert wird, sonst wäre das ein Nachteil. Ich weiß, dass das schwierig wird. Aber Realpolitik hat ihre eigenen Gesetze. Ich setze auf ein pragmatisches Vorgehen - und habe den Eindruck, dass Winfried Kretschmann von den Grünen und Nils Schmid von der SPD im Kern Pragmatiker sind. Ich hoffe auf die Zustimmung der Bürger für Stuttgart 21, falls die neue Regierung den Weg der Volksbefragung wählt.

Welche Veränderungen erwarten Sie in der Energiepolitik?
Wir gehen davon aus, dass alternative Energien künftig eine größere Rolle spielen werden. Wichtig ist es, beim Atomausstieg nichts zu überstürzen, sondern planvoll und mit Augenmaß vorzugehen. Baden-Württemberg ist mit einem Industrieanteil von 34 Prozent Deutschlands Industrieland Nummer eins und deshalb besonders auf Versorgungssicherheit angewiesen. Für die Branchen Zement, Stahl, Papier, Chemie und Glas hat Energie einen Kostenanteil von mindestens 30 Prozent. In der Aluminiumindustrie liegt er bei bis zu 60 Prozent. Und Deutschland hat schon jetzt hohe Energiekosten.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter

Kommentare zu " Industrie-Präsident: „Ich hoffe, dass Stuttgart 21 nicht zu Fall kommt“"

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  • Stuttgart 21 soll bleiben, so die Wirtschaft bzw. kommen. Und was ist mit den Menschen? Da wollen sie nur Sklavenlöhne und verachten die Bürger. Strompreise um 1000% hoch. Dies ist menschenwürdig?. Hier muss sich die Einstellung der Wirtschaft und Industrie um 180 Grad drehen.

  • Und warum ist das ein Nachteil wenn der Tiefbahnhof nicht kommt? Darauf hat die Bahn in 15 Jahren Planung keine plausible Antwort gegeben und der Herr Koch bleibt sie uns ebenfalls schuldig. Jetzt wird ein von Heiner Geißler verordneter Stresstest Klarheit bringen, ob die Leistungsfähigkeit unserer Infrastruktur dadurch verbessert wird, oder ob es halt doch nur ein Immobilienprojekt ist, das unsere Infrastruktur in Wahrheit zurückbaut. <br/>Meine spekulative Prognose: Es wird keinen Volksentscheid geben. Nach dem Stresstest sind teure Nachbesserungen nötig, die Bahn, Bund und Land gesichtswahrend den Ausstieg aus dem Tiefbahnhof ermöglichen. Für die Landes-SPD wird dann die Schnellbahntrasse durch die Alb gebohrt. Damit ist der grün-rote Koalitionsfrieden gewahrt.

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