Industrie
Schaeffler verhandelt noch mit Investoren

Nach ihrem öffentlichen Hilferuf hat die Schaeffler-Gruppe die Hoffnung auf Rettung durch einen externen Investor noch nicht begraben. Derzeit finden Gespräche statt, heißt es aus dem Unternehmen. Die Gläubigerbanken sind skeptisch.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Nach ihrem öffentlichen Hilferuf hat die Schaeffler-Gruppe die Hoffnung auf Rettung durch einen externen Investor noch nicht begraben. "Es finden Gespräche mit potenziellen Investoren statt", sagte ein Konzernsprecher dem Handelsblatt. Zu Details wollte er sich nicht äußern. Laut Industriekreisen geht es auch um einen Einstieg von externen Gesellschaftern bei der Schaeffler-Gruppe selbst. Gläubigerbanken hingegen zeigen sich skeptisch, dass Schaefflers in absehbarer Zeit bei der Investorensuche fündig wird. Auch könne der Wechsel im Bundeswirtschaftsministerium die Suche nach einem finanziellen Ausweg verzögern, hieß es in Verhandlungskreisen.

Die Gesellschafter Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler hatten sich am Wochenende erstmals bereit erklärt, auch Teile ihrer Unternehmensgruppe zu verkaufen, um die Schuldenlast zu verringern. Es geht also nicht mehr nur um einen Verkauf des Conti-Gummigeschäfts oder um Investoren für die gemeinsame Automotive-Gruppe. "Das Wasser steht ihnen offenbar bis zum Hals", hieß es in Arbeitnehmerkreisen. Es sei deutlich, dass die Gruppe sehr rasch Unterstützung brauche, nicht erst in ein paar Monaten.

Wie schwierig die Lage ist, verdeutlicht ein weiterer Schritt: Schaeffler bittet die Beschäftigten um einen Aufschub der im Frühjahr anstehenden Tariferhöhung. Statt zum 1. Mai soll die vereinbarte Tariferhöhung erst zum 1. Dezember 2009 in Kraft treten, bestätigte der Konzern einen Bericht der "Nürnberger Nachrichten". Als Ausgleich bietet das Unternehmen der Belegschaft ab 2010 eine Gewinnbeteiligung an.

In Finanzkreisen hieß es gestern, die Schulden der Gruppe von rund 22 Mrd. Euro müssten rasch reduziert werden. Nur dann sei eine Syndizierung der Kredite möglich, die derzeit die Bücher der Banken belasten. Es müssten dringend alternative Lösungen gesucht werden, da schon jetzt klar sei, dass Schaeffler im Sommer die Kreditvereinbarungen (Convenants) reiße. Notfalls müssten die Banken ihre Kredite in Eigenkapital umwandeln und somit Gesellschafter bei Schaeffler werden. In Finanzkreisen wird das nicht mehr ausgeschlossen. Auf längere Sicht könne sich dies sogar als gutes Geschäft für die Kreditinstitute herausstellen.

Für eine Überbrückungszeit könnten aber auch Staatshilfen dem angeschlagenen Autozulieferer aus der Klemme helfen. Der Rücktritt von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) könnte eine Einigung aber verzögern, hieß es in Finanzkreisen. Glos galt in der Bundesregierung als bisher einziger Befürworter von Staatshilfen für Schaeffler. Sein Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg wollte sich gestern nicht konkret äußern. Er müsse sich rasch in die Themen einarbeiten, sagte er bei seiner Vorstellung lediglich. Zu Glos habe Maria-Elisabeth Schaeffler gute Kontakte gehabt, sagte ein Unternehmenskenner. Allerdings sei ja auch Glos? Nachfolger ein Franke und daher sicher besonders am Thema Schaeffler interessiert.

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