Industrie- und Dienstleistungskonzerne
Schlummernde Milliarden-Reserven

Die Wirtschaftskrise hat bei den Industrie- und Dienstleistungskonzernen aus dem Deutschen Aktienindex Dax deutliche Spuren hinterlassen. Die Situation ist prekär, viele Experten erwarten frühestens für das zweite Halbjahr eine Belebung des Geschäfts. Vorsichtshalber haben sich viele Unternehmen eine Erhöhung des Eigenkapitals absegnen lassen.

DÜSSELDORF. Die Quartalsberichte zum Stichtag 31. März 2009 sprechen eine deutliche Sprache: Vor allem bei den Unternehmen aus den Branchen Automobil, Maschinenbau und Stahl brechen die Einnahmen aus dem operativen Geschäft weg und die Verschuldung steigt. In Einzelfällen - so bei BMW, Daimler und Thyssen-Krupp - greifen die in den vergangenen drei Monaten aufgelaufenen Verluste sogar die Eigenkapitalbasis an.

Die meisten Konjunkturexperten erwarten frühestens im zweiten Halbjahr eine Belebung des Geschäfts. In den nächsten Monaten jedoch dürften die Erträge weiter unter Druck stehen. Besonders die Stahlhersteller könnten noch tiefer in die roten Zahlen rutschen. Laut Informationen aus Regierungskreisen reisten in den vergangenen Wochen mehrere Dax-Vorstände nach Berlin, um Staatsbürgschaften für ihre Unternehmen zu beantragen. Dies verdeutlicht, wie prekär die Situation auch für einige von Deutschlands führenden Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mittlerweile sein muss.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist es ein Glücksfall, dass sich fast alle Dax-Unternehmen in der gerade zu Ende gegangenen Hauptversammlungssaison von ihren Eigentümern umfangreiche Kapitalerhöhungsmöglichkeiten haben absegnen lassen. Im zurückliegenden Boom wurde die Ermächtigung, neue Aktien auszugeben, noch als bloßer Vorratsbeschluss abgetan. Und tatsächlich haben die Dax-Unternehmen außerhalb der Finanzwirtschaft nach Berechnungen des Handelsblatts in den vergangenen zehn Jahren mehr Geld für den Rückkauf eigener Aktien ausgegeben, als umgekehrt durch die Erhöhung des Grundkapitals auf die Firmenkonten floss (siehe unten stehenden Artikel).

Doch diese Zeiten sind vorbei. Zwar werden sich viele Konzerne weiterhin frische Liquidität über die Anleihemärkte besorgen. Doch damit steigt die Verschuldung nur noch weiter an. Bereits zum Stichtag 31. März hatten die hier betrachteten 23 Dax-Konzerne kurz- und langfristige Finanzverbindlichkeiten von mehr als 430 Mrd. Euro in ihren Büchern stehen. Zugleich stieg der Anteil der Nettoschulden (Zahlungsmittel und kurzfristige Wertpapiere minus Finanzverbindlichkeiten) am Eigenkapital auf knapp 95 Prozent an.

Deshalb könnte auf die De-Cap-Welle, sprich eine Verkleinerung der Kapitalbasis durch Aktienrückkäufe, nun die Re-Cap-Welle folgen. Paul Lerbinger, stellvertretender Deutschlandchef der US-Großbank Citigroup, beobachtet diesen Trend zumindest im europäischen Ausland. Dort haben Unternehmen in diesem Jahr Aktienplatzierungen im Volumen von 50 Mrd. Euro abgeschlossen. Unter den größten Emittenten befinden sich der Rohstoffkonzern Xstrata mit Sitz in der Schweiz, der spanische Energieversorger Gas Natural, der Luxemburger Stahlriese Arcelor-Mittal und der französische Baustoffkonzern Lafarge.

Insbesondere die beiden Letzteren standen unter erheblichen Handlungsdruck. Arcelor-Mittal und Lafarge laufen wegen des dramatischen Geschäftseinbruchs Gefahr, die mit Banken und anderen Gläubigern vereinbarten Obergrenzen bei der Verschuldung zu verletzen.

Seite 1:

Schlummernde Milliarden-Reserven

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%