Industriegas-Anbieter
Air Liquide will Linde abhängen

Der Industriegas-Anbieter Air Liquide setzt sich für die nächsten Jahre ehrgeizige Ziele – und will damit den Kampf um die Weltmarktführerschaft für sich entscheiden. Größter Konkurrent der Franzosen ist der deutsche Konzern Linde.
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PARIS. Angesichts glänzend laufender Geschäfte hat der französische Industriegas-Spezialist Air Liquide seine Gewinnaussichten für die kommenden fünf Jahre erhöht: "Wir wollen die Rentabilität in dieser Periode um einen Punkt erhöhen, um eine Verzinsung des Eigenkapitals von zwölf bis 13 Prozent zu erreichen", sagte Konzernchef Benoit Potier. Zwischen 2005 und 2010 hatte die Eigenkapitalrendite zwischen elf und zwölf Prozent geschwankt.

Die neue Prognose beruht zum einen auf den anhaltend guten Wachstumsperspektiven. "Wie in der Vergangenheit wollen wir schneller als der Markt wachsen", sagte Potier. Wenn der Gesamtmarkt für Industriegas bis 2015 mit sieben bis acht Prozent pro Jahr wachsen sollte, will Air Liquide in der Periode acht bis zehn Prozent schaffen.

Weitere Einsparungen

Zweiter Gewinntreiber seien weitere Sparanstrengungen von rund 200 Millionen Euro pro Jahr, also eine Milliarde bis 2015. So wollen die Franzosen unter anderem ihre neuen Industriegas-Anlagen ein Jahr früher in Betrieb nehmen, um schneller Erlöse zu erzielen.

Der Markt für Industriegas wird in der Öffentlichkeit wenig beachtet, dabei finden sich die Produkte von Konzernen wie Air Liquide oder dem deutschen Wettbewerber Linde überall: Ihre Gase halten Obst und Chips in Tüten frisch, machen Metalloberflächen in der Stahlbranche besonders glatt, stecken in modernen Auto-Scheinwerfern oder LED-Lampen und beatmen Menschen in Krankenhäusern.

Air Liquide und Linde balgen sich dabei um die Weltmarktführerschaft, im Moment wähnen sich die Franzosen vorne. Auch in Sachen Rentabilität sei Air Liquide besser als Linde, sagte Konzernchef Potier. Während Linde vor der Krise 13 Prozent Eigenkapitalrendite (ROCE) vor Steuern in Aussicht gestellt habe, sei das ROCE-Ziel der Franzosen nach Steuern. Linde will im März seine neue Strategie vorstellen.

Potier räumte ein, dass seine Wachstumsziele sich nahtlos an jene der Vergangenheit anschließen. So will der Konzern etwa beim Umsatzwachstum stets einen Prozentpunkt besser als der Markt sein. "Aber im Unterschied zu vielen anderen Industriekonzernen kann ich heute schon diese Prognose bestätigen, dabei liegt die Krise gerade erst hinter uns", so der Air-Liquide-Chef.

Regional sei vor allem das Asien-Geschäft ein Wachstumsmotor. 2009 erzielte Air Liquide noch 57 Prozent seines Absatzes in Europa, 2015 werden es nur noch 43 Prozent sein. Der Asien-Anteil des Umsatzes steigt dagegen von 19 auf 27 Prozent. Mit Blick auf die Branchen rechnet Potier vor allem mit einer anhaltend starken Gas-Nachfrage der Stahlbranche oder der High-Tech-Kunden. So dürften stromsparende LED-Lampen bis 2015 klassische Glühbirnen weitgehend verdrängt haben - und LED-Birnen brauchen Industriegase. Dank der guten Aussichten will Air Liquide weltweit rund 15 000 neue Jobs schaffen, einige davon auch in Europa.

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